{"id":731,"date":"2010-04-20T13:18:19","date_gmt":"2010-04-20T10:18:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=731"},"modified":"2010-04-20T13:21:27","modified_gmt":"2010-04-20T10:21:27","slug":"asche-zu-asche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2010\/04\/20\/asche-zu-asche\/","title":{"rendered":"Asche zu Asche"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4035\/4535816137_af8e751ec4.jpg\" alt=\"Ehemaliger Regierungsbunker\" \/><\/p>\n<p>Ein makellos blauer, von keinem Kondensstreifen durchfurchter Himmel \u00fcber den Anlagen des ehemaligen Regierungsbunkers bei Ahrweiler: Ein seltsames Idyll, wie ein ironischer Kommentar \u00fcber Endzeit-Erwartungen und apokalyptische Schutzma\u00dfnahmen, an diesem Fr\u00fchlingswochenende unter der Asche eines randalierenden isl\u00e4ndischen Vulkans. Der Untergang einer Welt muss gar nicht so schlimm sein, die Apokalypse k\u00f6nnte auch in Form einer Farce geschehen, und dann ist es wirklich angenehmer, drau\u00dfen durch die Weinberge zu spazieren, als sich in einen \u00f6den Bunker unter einen Berg zu verkriechen und zu hoffen, dass alles irgendwie vorbeigeht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2749\/4535827147_6bda6598b3.jpg\" alt=\"Ehemaliger Regierungsbunker\" \/><\/p>\n<p>Die Bunkeranlagen sind selbst schon <a href=\"http:\/\/einestages.spiegel.de\/static\/topicalbumbackground\/1613\/deutschlands_geheimer_superbunker.html\">so etwas wie eine Farce<\/a>: Einem gezielten Atomschlag h\u00e4tten sie vermutlich kaum Stand gehalten, weil sie nach veralteten Ma\u00dfst\u00e4ben berechnet war, aber man hatte nun schon mal angefangen mit dem Bau, also musste das Zeug auch fertig gestellt werden.<\/p>\n<blockquote><p>Gerade einmal einer 20 Kilotonnen-Bombe, vergleichbar mit der Sprengkraft einer &#8222;Hiroshima-Bombe&#8220;, h\u00e4tte die Bunkeranlage standgehalten. Schon geheime Gutachten aus dem Jahre 1962 rechneten mit 250-fach st\u00e4rkeren Waffen [&#8230;]. Die Explosion einer solchen F\u00fcnf-Megatonnenbombe h\u00e4tte den Weinberg samt Bunker zu Staub zerblasen. Die Ersch\u00fctterung h\u00e4tte alle Beteiligten als nuklearen Fallout \u00fcber den Rhein verstreut.<\/p><\/blockquote>\n<p>Oder vielleicht als feinen Aschestaub in die Atmosph\u00e4re geschleudert, nur dass es dort vermutlich keinen Luftverkehr mehr gegeben h\u00e4tte, den diese Wolke h\u00e4tte behindern k\u00f6nnen. Wie dem auch sei, der Bunker w\u00e4re jedenfalls in etwa so funktionst\u00fcchtig und zuverl\u00e4ssig gewesen wie aktuell die Sicherungssysteme, Aufsichtsgremien und Kontrollb\u00fcrokratien der Finanzwirtschaft und etwa so hilflos wie die internationale Luftfahrt beim Auftreten einer Aschewolke von ungeheuren Ausma\u00dfen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4071\/4535819799_e2f5f54307.jpg\" alt=\"Ehemaliger Regierungsbunker\" \/><\/p>\n<blockquote><p>Die Erde ist nicht nur zu klein f\u00fcr Fortschritt und schnellen Profit, sondern vielleicht auch \u2013 und das ist beunruhigend \u2013 f\u00fcr Demokratie, Frieden und Seelenfrieden. Wir werden immer wieder ersch\u00fcttert und erschreckt durch eine Synchronisation der Emotionen, die die Standardisierung der Meinungen ersetzt. Ich habe das den Kommunismus der Affekte genannt. Auf die Interessensgemeinschaft der sozialen Klassen, des Kommunismus, ist eine Emotionsgemeinschaft gefolgt, und das ist in der Tat beunruhigend.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.humanite.fr\/Entretien-avec-le-philosophe-Paul-Virilio\">Paul Virilio im Interview mit <em>L&#8217;Humanit\u00e9<\/em><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Es gibt halt immer einen Faktor, der das Kalk\u00fcl durchkreuzt. Die atomare Apokalypse ist ausgeblieben, daf\u00fcr haben wir jetzt eine possenhafte Apokalypse aus Aschestaub, w\u00e4hrend der man aber wenigstens wieder die V\u00f6gel singen h\u00f6ren kann. Der Luftraum soll heute wieder freigeben werden, und bald werden auch die ersten Kondensstreifen wieder ihre Kurzprosa \u00fcber die Beherrschbarkeit der Elemente an den Himmel schreiben. So lange kann man den rebellischen Vulkan kaum besser w\u00fcrdigen als der isl\u00e4ndische Schriftsteller <a href=\"http:\/\/haukurmar.icelandcinemanow.com\/\">Haukur M\u00e1r Helgason<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Personally, I take a bit of pride in that anarchist volcano of ours, and suggest it will be considered as an honorary member of the Tarnac 9. As a manifesto it is obviously coherent with the &#8218;No demands&#8216; tactics of some recent movements both sides of the Atlantic. And as of yet the damage done by it more or less only hits polluting big business, already significantly lessening this year&#8217;s carbon footprint by amounts equal to the annual output of several third world states combined.<\/p><\/blockquote>\n<p><font size=1>(Helgason-Zitat <a href=\"http:\/\/www.cinestatic.com\/infinitethought\/2010\/04\/red-elves-meet-airbourne-toxic-event.txt\">via<\/a>.)<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein makellos blauer, von keinem Kondensstreifen durchfurchter Himmel \u00fcber den Anlagen des ehemaligen Regierungsbunkers bei Ahrweiler: Ein seltsames Idyll, wie ein ironischer Kommentar \u00fcber Endzeit-Erwartungen und apokalyptische Schutzma\u00dfnahmen, an diesem Fr\u00fchlingswochenende unter der Asche eines randalierenden isl\u00e4ndischen Vulkans. 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