{"id":748,"date":"2008-09-02T18:28:37","date_gmt":"2008-09-02T15:28:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=748"},"modified":"2008-09-02T18:28:37","modified_gmt":"2008-09-02T15:28:37","slug":"osteuropaische-filmplakate","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/09\/02\/osteuropaische-filmplakate\/","title":{"rendered":"Osteurop\u00e4ische Filmplakate"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3026\/2820312997_d2b9ce71a4.jpg\" alt=\"Der Leopard\" \/><br \/>\n<font size=1>Wieslaw Walkuski, <em>Der Leopard<\/em>, 1989 (<a href=\"http:\/\/www.polishposter.com\/Merchant2\/merchant.mvc?Screen=PROD&#038;Product_Code=0354&#038;Category_Code=\">Quelle<\/a>).<\/font><\/p>\n<p>Eine der Besonderheiten der L\u00e4nder hinter dem eisernen Vorhang war die fast vollst\u00e4ndige Abwesenheit von Werbung f\u00fcr Konsumartikel. Wo Werbung stattfand, gab sie sich meist n\u00fcchtern und lakonisch, als ob es weniger um das Anpreisen eines Produktes ging, sondern einfach nur darum, seine Existenz noch mal kurz zu best\u00e4tigen. &#8222;Plaste und Elaste aus Schkopau&#8220;, meldete ein Transparent an der Transitstrecke nach Berlin, und damit war eigentlich genug gesagt.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3131\/2821314902_791222383a_o.jpg\" alt=\"Psycho\" \/><br \/>\n<font size=1>Zdenek Ziegler, <em>Psycho<\/em>, 1970 (<a href=\"http:\/\/www.czechfilmposters.com\/posterAction.do;jsessionid=F917A3F2A9B7D87C4CCB1740A35BA355?selectedPoster=105\">Quelle<\/a>)<\/font><\/p>\n<p>Deutlich anders war die Sprache der Plakate und Brosch\u00fcren, die kulturelle Veranstaltungen ank\u00fcndigten: Theater- und Filmplakate, Platten- und Buchcover boten oftmals die Chance, einen dritten Weg neben der N\u00fcchternheit des Konsumdesigns und der Lautst\u00e4rke der Polit-Propaganda zu finden. F\u00fcr viele Designer bestand die Herausforderung offenbar darin, die Themen eines Theaterst\u00fccks, Films oder Buchs nach au\u00dfen hin mit der offiziellen Dogmatik zu vers\u00f6hnen, und zugleich einen spielerischen Zugang zu den Ritzen, Fugen und Nischen zu finden, die das System offen gelassen hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3026\/2821314906_48ab2f91d2_o.jpg\" alt=\"8 1\/2\" \/><br \/>\n<font size=1>Bedrich Dlouhy, <em>8 1\/2<\/em>, 1964 (<a href=\"http:\/\/www.czechfilmposters.com\/posterAction.do?selectedPoster=3\">Quelle<\/a>)<\/font><\/p>\n<p>Eine besondere Facette der osteurop\u00e4ischen Popkultur sind die Plakate, die f\u00fcr westeurop\u00e4ische Filmimporte entworfen wurden. Vor allem in Polen und der Tschechoslowakei entwickelte sich daraus ein bemerkenswertes und erstaunlich flexibles Medium. Denn in der Regel wurden f\u00fcr die osteurop\u00e4ischen Plakate nicht die westlichen Vorlagen kopiert (m\u00f6glicherweise aus urheberrechtlichen Gr\u00fcnden?), sondern v\u00f6llig eigenst\u00e4ndige Designs entwickelt, die nicht selten meilenweit von der Ikonographie abweichen, an die wir uns im Westen gew\u00f6hnt haben. Der Effekt ist ein doppeltes Staunen: \u00dcber die Fantasie, mit der viele polnische und tschechische Designer die Themen eines Films aufgriffen, variierten und bisweilen auch entfremdeten &#8211; und zugleich auch ein wenig dar\u00fcber, wie sehr uns (westliche Betrachter) diese ungewohnten Perspektiven oft erstaunen und verbl\u00fcffen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3212\/2820486149_da13573eac_o.jpg\" alt=\"Mystery Train\" \/><br \/>\n<font size=1>Andrzej Klimowski, <em>Mystery Train<\/em>, 1991 (<a href=\"http:\/\/www.polishposter.com\/Merchant2\/merchant.mvc?Screen=PROD&#038;Product_Code=2003&#038;Category_Code=USA\">Quelle<\/a>).<\/font><\/p>\n<p>Paul Rennie hat im <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/film\/2008\/sep\/01\/polish.poster\">Guardian<\/a> (im Rahmen einer schon seit l\u00e4ngerem laufenden <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/film\/series\/posterservice\">Kolumne<\/a> zum Design von Filmplakaten) ein paar plausible Gr\u00fcnde genannt, warum die osteurop\u00e4ischen (in diesem Fall: polnischen) Plakatdesigner so viel Fantasie einbringen konnten:<\/p>\n<blockquote><p>The circumstances of modern Polish history have conspired to create an environment where the advertising of cultural events was able to dominate the popular visual culture of the post-war period. [&#8230;]<br \/>\nThe nationalised, or state owned, distribution of films allowed Polish film posters to develop in a unique way. The usual considerations of star-billing and genre, imposed by the legalistic classification of assets within the commercial film industry in the west, could be largely ignored.<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3084\/2820334985_830530acc8_o.jpg\" alt=\"Es geschah am hellichten Tag\" \/><br \/>\n<font size=1>Marian Stachurski, &#8222;Es geschah am hellichten Tag&#8220;, 1960<\/font><\/p>\n<p>Einiges von dem, was Rennie \u00fcber Polen sagt, l\u00e4sst sich auch auf die Tschechoslowakei anwenden. Es ist vermutlich kein Zufall, dass diese Sonderentwicklung des Filmplakats vor allem in den zwei L\u00e4ndern des Ostblocks stattfand, in der auch die Filmproduktion selbst eine relativ gro\u00dfe \u00e4sthetische Eigenst\u00e4ndigkeit behaupten konnte. Oder gab es in den anderen L\u00e4ndern des Ostblocks eine \u00e4hnliche Tradition des Plakatdesigns, mit einer \u00e4hnlich weitgehenden Ausnutzung und Ausgestaltung von Freir\u00e4umen?<\/p>\n<p>Es gibt zwei kommerzielle Seiten, die einen hervorragenden \u00dcberblick \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.czechfilmposters.com\">tschechoslowakische<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.polishposter.com\">polnische<\/a> Kunst des Filmplakatdesigns bieten. Auf der polnischen Seite sind mir allerdings auch ein paar Beispiele begegnet, die deutlich nach dem Ende des kommunistischen Systems entworfen wurden. Leider gibt die Seite keine Auskunft dar\u00fcber, ob diese aktuellen Entw\u00fcrfe auch f\u00fcr offizielle Ver\u00f6ffentlichungen eingesetzt wurden. Aber die Lust an der grafischen Variation eines Filmthemas scheint nach wie vor vorhanden, zum Beispiel bei <a href=\"http:\/\/www.michalksiazek.republika.pl\/\">Michal Ksiazek<\/a>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3210\/2820313003_6a705547b8_o.jpg\" alt=\"Star Wars\" \/><br \/>\n<font size=1>Michal Ksiazek, <em>Star Wars<\/em>, 2003 (<a href=\"http:\/\/www.michalksiazek.republika.pl\/posters.html\">Quelle<\/a>).<\/font><\/p>\n<p>Eine gro\u00dfartige Auswahl gibt es auch <a href=\"http:\/\/wellmedicated.com\/inspiration\/50-incredible-film-posters-from-poland\/\">hier<\/a>, vor allem wohl aus dem Fundus der <em>Polish Poster<\/em>-Seite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieslaw Walkuski, Der Leopard, 1989 (Quelle). Eine der Besonderheiten der L\u00e4nder hinter dem eisernen Vorhang war die fast vollst\u00e4ndige Abwesenheit von Werbung f\u00fcr Konsumartikel. 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