{"id":796,"date":"2008-10-29T14:38:14","date_gmt":"2008-10-29T11:38:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=796"},"modified":"2008-10-29T14:46:36","modified_gmt":"2008-10-29T11:46:36","slug":"stasiuk-in-koln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/10\/29\/stasiuk-in-koln\/","title":{"rendered":"Stasiuk in K\u00f6ln"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Nach Deutschland f\u00e4hrt man nicht ungestraft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie war es, fragt F., als ich nach Hause komme. Tja, sage ich, so eine Lesung habe ich noch nie erlebt. Da mu\u00df ich erst mal dr\u00fcber nachdenken, wie das war.<\/p>\n<p>Erst gab es eine E-Mail von <a href=\"http:\/\/www.paulwirkus.com\">Paul<\/a>: &#8222;Am Dienstag begleite ich mit einen Kontrabassisten eine Lesung von Andrzej Stasiuk im Literaturhaus. Vielleicht hast du Lust, vorbei zu kommen.&#8220; Selbstverst\u00e4ndlich habe ich Lust. Pauls Musik h\u00f6re ich gerne. Was polnische Literatur angeht, bin ich leider fast v\u00f6lliger Ignorant, also kann ich mit Stasiuks Namen nicht wirklich was anfangen, aber das macht ja nichts. Ich nehme mir zwar in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden immer wieder vor, diese spezielle Ignoranz zu beenden, ohne den guten Vorsatz wirklich umzusetzen. Daf\u00fcr sch\u00e4me ich mich dann immer ein bi\u00dfchen, weil das doch \u00e4rgerlich ist, dass man so wenig wei\u00df \u00fcber Polen und seine Literatur.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck kann man vorab ein bi\u00dfchen im Internet herumstromern. Ein <a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/autoren\/autor.cfm?id=4724\">Suhrkamp-Autor<\/a> also, aha, auf dem Portr\u00e4tfoto sieht er ein bisschen aus wie eine Mischung aus Jack Kerouac und Eckhard Henscheid. Der Klappentext zu seinem aktuellen Buch ist auch zu finden, <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3518125664?ie=UTF8&#038;tag=nightlybuilds-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3518125664\">Dojczland<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=nightlybuilds-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3518125664\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> hei\u00dft es, und es geht darin, sagt der Klappentext, um einen<\/p>\n<blockquote><p>literarischen Gastarbeiter auf Lesereise kreuz und quer durch die Bundesrepublik, [und der] verbirgt nicht, da\u00df er lieber auf dem Bukarester Gara de Nord als am Stuttgarter Hauptbahnhof angekommen w\u00e4re.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der letzte Halbsatz ist, muss ich hier schon mal einschieben, v\u00f6lliger Unfug. Die betreffende Stelle kommt gleich am Anfang des Texts, und der deutsche und der rum\u00e4nische Bahnhof haben da eine sehr viel doppelb\u00f6digere Beziehung: &#8222;Ich mu\u00dfte in Stuttgart an Bukarest denken, um mir Deutschland besser merken zu k\u00f6nnen\u201c. Es wird sich zeigen, dass es beim Lesen von Stasiuk offenbar h\u00e4ufig zu solchen Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen kommt. Zun\u00e4chst f\u00e4llt mir aber vor allem der n\u00e4chste Satz im Klappentext auf: Stasiuk spiele, heisst es da,<\/p>\n<blockquote><p>so selbstironisch mit \u00c4ngsten, Vorurteilen und Klischees, den eigenen, den fremden, da\u00df ihn ein polnisches Skandalmagazin als \u00bbbezahlten Einflu\u00dfagenten Berlins\u00ab anprangerte. <\/p><\/blockquote>\n<p>Puh, denke ich, das ist aber mal was, dass Suhrkamp mit einem &#8222;polnischen Skandalmagazin&#8220; im Klappentext wirbt. Und dieses augenzwinkernde Sch\u00e4kern damit, dass hier jemand f\u00fcr seine angebliche Deutschen-Sympathie angeschmiert wird &#8211; also ich wei\u00df nicht. Gl\u00fccklicherweise gibt es noch ein paar andere, deutlich vielschichtigere Informationen im Netz, und was ich da lesen kann, macht mich ausreichend neugierig, au\u00dferdem hat die Wikipedia <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrzej_Stasiuk\">ein Foto<\/a>, auf dem er mit einem sehr freundlichen Gesichtsausdruck neben einem Glas Wein sitzt. Ich nehme mir also fest vor, hinzugehen. Und der Vorsatz bleibt auch, als Paul ein paar Tage sp\u00e4ter schreibt, dass das Literaturhaus leider keine Musik m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.literaturhaus-koeln.de\">Literaturhaus K\u00f6ln<\/a> ist in der Sch\u00f6nhauser Stra\u00dfe, was mir zum Gl\u00fcck noch rechtzeitig einf\u00e4llt, ich hatte es anfangs noch im Media-Park in Erinnerung und mich auf den kurzen Weg von meinem B\u00fcro gefreut. Es ist eiskalt, als ich an der Stra\u00dfenbahnhaltestelle aussteige. Gegen\u00fcber vom Literaturhaus ist eine riesige Baustelle, auf der ein B\u00fcrokomplex gebaut wird oder ein Parkhaus, so genau kann man das noch nicht erkennen. Die Baustelle ist taghell erleuchtet, und m\u00f6glicherweise roboten dort auch einige Landsleute von Stasiuk vor sich hin.<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; aber wie ich schon sagte, dieser Bericht ist voller Vorurteile, und ich habe nicht vor, das zu verbergen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Als Stasiuk eintrifft, kann ich mir den Gedanken nicht verkneifen, dass er so aussieht, als ob er tats\u00e4chlich eben noch nebenan auf dem Bau gearbeitet habe. Er wirkt gro\u00df und kr\u00e4ftig, tr\u00e4gt eine einfache Lederjacke, T-Shirt und Jeans, scheint etwas ersch\u00f6pft und sieht \u00e4lter aus als er ist. (Das wird nach der Veranstaltung eine Zuh\u00f6rerin sagen, ich bin zu h\u00f6flich, so was zu denken.)<\/p>\n<p>Im Literaturhaus ist f\u00fcr die Lesung eine Art Nische unter einer Treppe vorgesehen. Der Platz ist relativ eng, und das wird wohl der Grund sein, warum die Musik dazu ausf\u00e4llt. Paul ist auch schon da und schw\u00e4rmt mir von den zwei Auftritten mit Stasiuk vor. Gro\u00dfartig sei das gewesen, es sei genau das aufgegangen, was er und Achim, der Kontrabassist sich vorgenommen h\u00e4tten. Leider gebe es keine Aufzeichnungen davon, aber wer wei\u00df, vielleicht mal eine gemeinsame Platte.<\/p>\n<p>Einer der Veranstalter tritt auf die B\u00fchne und versucht eine launige Einf\u00fchrung. Der Hinweis, im Polnischen gebe es kein Wort f\u00fcr \u201eGem\u00fctlichkeit\u201c wird allerdings gleich von einer jungen Polin aus der ersten Reihe korrigiert. Dann zitiert er ein kurzes St\u00fcck aus dem Buch, in dem K\u00f6ln vorkommt und eine gro\u00dfe Ratte, die Stasiuk vor dem Dom gesehen haben will. K\u00f6ln k\u00e4me im Vergleich mit anderen St\u00e4dten noch schmeichelhaft weg, behauptet der Veranstalter. (Auch das \u00fcbrigens eine Behauptung, die sich bei n\u00e4herem Betrachten als Unfug erweist.)<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich nehmen Stasiuk und Olaf K\u00fchl, sein \u00dcbersetzer, am Lesetisch Platz. Stasiuk sagt etwas, er hat eine angenehme Stimme und die polnische M\u00e9lange aus Gleiten, Singen und Zischen mag ich sowieso. Kein Wunder, dass aus Polen so viele gute Jazzer kommen, wenn man schon \u00fcber eine Sprache verf\u00fcgt, die klingt wie das Solo eines Holzblasinstrumentes. Das Buch ist auch zum Lachen gedacht, also lachen Sie bitte, dolmetscht K\u00fchl, und man soll auch bitte direkt fragen oder kritisieren. Bei den anderen Veranstaltungen sei das Publikum nur brav dagesessen und habe dann hinterher gen\u00f6rgelt, und das sei doch ein bi\u00dfchen doof.<\/p>\n<p>K\u00fchl liest ein paar Passagen vom Anfang des Buchs, angenehm plaudernde und leicht elegische Miniaturen von Bahnh\u00f6fen, Whisky und Hotelzimmern. Ich mag diesen Ton auf Anhieb, die Mischung aus Am\u00fcsiertheit, Melancholie und ethnologischem Interesse. So geht es einem, wenn man auf Bahnsteigen oder an Hotelzimmerfenstern in fremden St\u00e4dten steht und sich umguckt.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn du wirkliche Einsamkeit erleben willst, mu\u00dft du nach Deutschland fahren. Du mu\u00dft f\u00fcnfzehnmal mit der Bahn die Strecke zwischen Frankfurt und K\u00f6ln zur\u00fccklegen und mitten in der Nacht in Hamm im siebten Stock eines Hotels mit goldbeschlagenen Thekenund Gel\u00e4nderstangen aufwachen. Und mitten in der Nacht in die Dunkelheit hinausschauen und dort, in ihrer Tiefe, die Lichter von zwei gro\u00dfen Kircht\u00fcrmen ausmachen, die sich am Morgen als Industriebauwerke herausstellen. Und man mu\u00df in Krefeld, in Hagen und in Duisburg gewesen sein, damit einem der Bahnhof in Stuttgart Linderung verschafft, weil er an den Gara de Nord erinnert.<\/p><\/blockquote>\n<p>.<\/p>\n<p>Stasiuk scheint noch guter Laune, er macht ein paar Faxen, w\u00e4hrend K\u00fchl liest, dirigiert den Takt der Ortsnamen und grinst ins Publikum.<\/p>\n<p>Dann beginnt alles aus dem Ruder zu laufen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne die Lesung ja hier mal unterbrechen, schl\u00e4gt K\u00fchl vor, um Fragen zuzulassen. Das ist das Signal f\u00fcr einen \u00e4lteren Herrn zu einem Generalangriff: Er habe hier nichts Lustiges wahrnehmen k\u00f6nnen, der Text stehe f\u00fcr ein 30 Jahre altes Bild von Deutschland, das er bestenfalls noch Stasiuks Vater zugetraut h\u00e4tte, \u201eaber nicht jemandem, der so jung ist wie sie\u201c. Au\u00dferdem fahre er seit Jahren nach Polen, und da denke man ganz anders \u00fcber die Deutschen. Das ruft einige weitere Zuh\u00f6rer auf den Plan, die offenbar wild entschlossen sind, Stasiuks Anmerkungen zu Deutschland pers\u00f6nlich zu nehmen. Am meisten verbl\u00fcfft mich dabei, wie bereitwillig diese Beleidigten im Protest gegen Klischees und Stereotypen mindestens ein Klischee ausgiebig vorleben: Jemand tritt uns auf die F\u00fc\u00dfe und wir werden zu Oberlehrern. Im Laufe der n\u00e4chsten Stunde wird Stasiuk nicht nur darin unterwiesen, welches Deutschlandbild er gef\u00e4lligst nicht mehr haben darf, sondern dass es schlie\u00dflich auch Stalin gegeben habe und dass Literatur gef\u00e4lligst dazu da sei, Klischees zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Es melden sich ein paar zaghafte Stimmen, die versuchen, auf die Literarizit\u00e4t des Textes hinzuweisen. Aber sie kommen nicht recht an gegen den Teil des Publikums, der \u00fcbel nimmt. Stasiuk spielt allerdings auch eifrig den Provokateur, landet das eine oder andere Aper\u00e7u, ist dann wieder einfach nur flapsig und wohl auch etwas angetrunken. Er spaziert durch den Raum, setzt sich neben den \u00e4lteren Herrn, um mit ihm zu plaudern und fixiert einen Zuschauer: \u201eSie sehen so deutsch aus, was ist ihre Meinung?\u201c<\/p>\n<p>Ich finde das alles abwechselnd gro\u00dfartig, unglaublich und zum Fremdsch\u00e4men.<\/p>\n<p>Eine Zuh\u00f6rerin versucht Stasiuk davon zu \u00fcberzeugen, dass sein Bild von den Deutschen v\u00f6llig hinter dem Mond sei, weil sie mal eine Polin getroffen habe, die total begeistert dar\u00fcber war, dass sie aus Deutschland kam. Die Polin habe n\u00e4mlich im Krieg einen deutschen Offizier, gro\u00df und blond, getroffen, und der habe gesagt, er mag die Polen, weil sie alle gute Katholiken seien. \u201eWar bestimmt ein \u00d6sterreicher\u201c, grollt Stasiuk.<\/p>\n<p>Ein anderer Zuh\u00f6rer teilt uns den einzigen Satz auf Polnisch mit, den er kennt, und der auf deutsch tats\u00e4chlich hei\u00dft: \u201eIch kann ein bi\u00dfchen Polnisch\u201c. Wir werden dar\u00fcber informiert, dass sich alle Polen freuen, wenn er diesen Satz aufsagt. (Vermutlich etwa so, wie sich die Indianer \u00fcber die Glasperlen gefreut haben, die man ihnen geschenkt hat.)<\/p>\n<p>Deutschland sei f\u00fcr die Polen ein Trauma, sagt Stasiuk. \u201eAber wir haben doch auch ein Trauma\u201c, protestiert die Zuh\u00f6rerin, die Stasiuks Deutschlandbild hinter den Mond verlegte. Und \u00fcberhaupt sei es mal Zeit, dass die Deutschen Schluss machen sollten mit ihrem Schuldkomplex, auch aus psychoanalytischen Gr\u00fcnden: \u201eWas da f\u00fcr \u00dcbertragungen stattfinden, das ist unglaublich.\u201c<\/p>\n<p>Ein weiterer Zuh\u00f6rer outet sich als Pole, der seit drei\u00dfig Jahren in Deutschland lebt, und fragt Stasiuk allen Ernstes, wie er damit leben k\u00f6nnte, mit seinem Text zur Spaltung beizutragen. \u201eWarum nicht\u201c, sagt Stasiuk.<\/p>\n<p>Um die Stimmung ein wenig zu entsch\u00e4rfen, liest K\u00fchl einen weiteren Abschnitt vor, in der Hoffnung, die Doppelb\u00f6digkeit von Stasiuks Spiel mit Stereotypen m\u00f6ge darin besser zum Vorschein kommen. Darin gibt es zum Beispiel diese Passage:<\/p>\n<blockquote><p>Auf der Reise nach Mainz begriff ich allm\u00e4hlich, worin wir uns unterscheiden &#8211; Slawen und Germanen. Wir unterscheiden uns in unserem Verh\u00e4ltnis zur Form. Die Germanen wollen sie vervollkommnen, die Slawen wollen sie st\u00e4ndig nur loswerden, eine durch die andere ersetzen, die jetzige in der Hoffnung abwerfen, die n\u00e4chste werde bequemer sein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Beobachtung erf\u00fcllt sich schon kurz darauf \u2013 die Veranstaltung ist da bereits wieder in die Diskussion um Schuldkomplexe und Traumata ausgeufert &#8211; , als sich eine \u00e4ltere Dame meldet und Stasiuk bittet, ein Kapitel auf polnisch vorzulesen, schlie\u00dflich sei das doch der Sinn einer Lesung. Ach ja: Wenn die Form schon nicht mehr vervollkommnet werden kann, muss ihr wenigstens gen\u00fcgt werden.<\/p>\n<p>Stasiuk beginnt zu lesen, aber man h\u00f6rt schon bei den ersten S\u00e4tzen, dass es ihm keinen Spass macht. Er wird mufflig, wirft das Buch weg und sagt: \u201eIch hab keine Lust, ich will lieber mit den Deutschen reden.\u201c K\u00fchl wirkt leicht genervt und resigniert, ein paar Leute verlassen den Saal. Ob er keine deutschen Freunde habe, wird Stasiuk von einer Zuh\u00f6rerin gefragt. Nein, sagt er und zeigt auf K\u00fchl: \u201eDer z\u00e4hlt nicht.\u201c Ob er denn kein Interesse habe, mit Deutschen Freundschaft zu schlie\u00dfen? \u201eNein?\u201c Warum nicht? \u201eWollen Sie etwa meine Freundin sein?\u201c <\/p>\n<p>So geht das eine Weile weiter, wobei die Diskussion rasch in kleine Sub- und Nebengr\u00fcppchen zerf\u00e4llt. Schlie\u00dflich beschliesst einer der Veranstalter, einzuschreiten, setzt sich auf einen Stuhl neben dem Lesetisch und sagt zu K\u00fchl: \u201eNun erkl\u00e4ren sie doch mal aus ihrer Perspektive, warum das Buch von Stasiuk so gut sein soll.\u201c K\u00fchl ist eher anges\u00e4uert, mokiert sich \u00fcber Stasiuks Flapsigkeit und sagt, das Buch sei eigentlich eine sch\u00f6ne Schilderung der Einsamkeit in Hotelzimmern und auf Bahnh\u00f6fen. Das sei nun alles verschwunden hinter der Diskussion \u00fcber die deutsche Vergangenheit, und die sei nun wirklich nicht Thema des Buchs.<\/p>\n<p>Und dann ist die Veranstaltung zu Ende.<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; nicht ausgeschlossen ist, dass dieser Bericht aus lauter Irrt\u00fcmern besteht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Publikum l\u00f6st sich auf, aber so heftig debattierend, wie ich das selten nach einer Lesung erlebt habe. Auch Stasiuk muss nat\u00fcrlich, w\u00e4hrend er B\u00fccher signiert, noch zahlreiche Fragen beantworten. \u201eIch glaube, die K\u00f6lner haben das mit der gro\u00dfen Ratte \u00fcbel genommen\u201c, sagt Paul.<\/p>\n<p>Ich gehe zur Stra\u00dfenbahnhaltestelle und treffe dort ein wartendes P\u00e4rchen. Sie ist die junge Polin, der das polnische Wort f\u00fcr Gem\u00fctlichkeit eingefallen war. Ihr Freund fragt mich sch\u00fcchtern: \u201eSind Sie Deutscher?\u201c und erz\u00e4hlt dann, dass er nicht verstehen k\u00f6nne, warum der Text diesen Affront provoziert habe. Er als Deutscher sei in Polen immer freundlich behandelt worden. Wir plaudern ein bi\u00dfchen, ein netter Kontrapunkt zu der Aggressivit\u00e4t, die w\u00e4hrend der Lesung ausbrach. Als ich sage, dass mir Stasiuk hier und da auch ein wenig zu flapsig gewesen sei, meint sie: \u201eAch, das muss so sein: In Polen geht jedes Gespr\u00e4ch irgendwann aus den Fugen, und alle reden durcheinander.\u201c<\/p>\n<p>Dann muss ich umsteigen und beginne in meiner Ausgabe von <em>Dojczland<\/em> zu lesen.<\/p>\n<blockquote><p>Nur ein paarmal war es so, da\u00df jemand aufstand und dramatisch fragte: \u201eWann werden eure Homosexuellen endlich gleichberechtigt sein?\u201c Ich antwortete ebenso dramatisch: \u201eDer Tag ist nah.\u201c Oder es wurde gefragt: \u201eWann h\u00f6rt ihr endlich auf, unsere Autos zu klauen?\u201c Ich erwiderte nach bestem Wissen und Gewissen: \u201eDas wird wohl noch eine Weile dauern. Sollen wir vielleicht die wei\u00dfrussischen nehmen?\u201c Aber das waren Einzelf\u00e4lle. Meist ging es meinem Publikum um die Literatur.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Deutschland f\u00e4hrt man nicht ungestraft. 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