{"id":80,"date":"2005-05-23T01:21:01","date_gmt":"2005-05-22T23:21:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=80"},"modified":"2005-05-31T04:20:28","modified_gmt":"2005-05-31T02:20:28","slug":"brave-nrw-world","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/05\/23\/brave-nrw-world\/","title":{"rendered":"Brave NRW World"},"content":{"rendered":"<p>Rot-Gr&uuml;n hat die Wahl in NRW verloren. Das ist keine &Uuml;berraschung. Keine &Uuml;berraschung ist auch, dass es im politischen Feuilleton darob nur so klappert, dr&ouml;hnt und rauscht.<!--more--><br \/>\nZum Beispiel bei Stefan Dietrich von der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1\/Doc~E3E901E598FA84C2FB9A41369AFA70F76~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a>, der uns von einer &#8222;tektonischen Verschiebung&#8220; raunt. Erdrutsch, politisches Beben, klar, kennt man, aber Dietrich zeigt schnell, dass er auch anders kann: Schr&ouml;ders &#8222;Instrumentenkasten ist ziemlich leer&#8220;, befindet er. Aber ein voller Kasten h\u00e4tte ihm auch nichts gen\u00fctzt, denn selbst mit Besteck bracht der Kanzler nur  &#8222;Notoperationen, die der Regierung keinen neuen Auftrieb gaben&#8220;, zustande. Und ohne Auftrieb blieben  &#8222;Konsum, Konjunktur und W&auml;hlerstimmung am Boden wie der Wetterfrosch vor nahendem Gewitter&#8220;.<\/p>\n<p>Wir fassen zusammen: Der Kanzler ein Notoperateur, der ohne Skalpell an bodenhaftenden Wetterfr&ouml;schen herumflickt, und das bei Gewitter und Erdbeben. Kein Wunder, dass die restliche Regierung wie Frankensteins Kabinett wirkt: &#8222;Reformer Clement&#8220; zum Beispiel, der &#8222;planwirtschaftliche Monstren im Gleichschritt in den Himmel wachsen&#8220; l&auml;&szlig;t, oder die Gr&uuml;nen, die ihre &#8222;Spielwiesen pflegen&#8220;, auf denen dann wahrscheinlich die &#8222;sauersten &Auml;pfel&#8220; wachsen, in die Schr\u00f6der nun hineinbei\u00dfen mu\u00df, um einer &#038;qu&auml;lend langen rot-gr&uuml;nen D&auml;mmerung zu entgehen&#8220;. Saure &Auml;pfel, in die man bei&szlig;t, um der D&auml;mmerung zu entgehen &#8211; was rauchen die eigentlich so in der FAZ-Redaktion?<\/p>\n<p>Bei der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2005\/05\/23\/a0084.nf\/text\">taz<\/a> gibt man sich dagegen auf einmal stockn&uuml;chtern: &#8222;Seit langem wird fast jede Landtagswahl zur Schicksalsfrage f&uuml;r den Bund hochgejazzt&#8220;, mault Bettina Gaus. Sie hat dagegen den Blues: Vom &#8222;Ende des rot-gr&uuml;nen Projekts&#8220; zu sprechen, sei &#8222;gef&uuml;hlter Firlefanz&#8220;. Die Formulierung ist nat\u00fcrlich eher authentischer Bullshit. <\/p>\n<p>Aber egal, so ein bi&szlig;chen rumjazzen will sie dann doch: Bei der Wahl in NRW ging es n&auml;mlich um nichts weniger als &#8222;den Kurs der so genannten Volksparteien &#8211; und somit um handfeste Machtfragen&#8220;, orakelt Gaus, und will schon mal wissen, dass &#8222;einige SPD-Linke keinen vern&uuml;nftigen Grund mehr sehen, den bislang z&auml;hneknirschend eingehaltenen Burgfrieden weiterhin zu wahren&#8220;.  Also, ich finde das ein bi&szlig;chen viel verlangt von einer Parteilinken, die das z&auml;hneknirschende Einhalten von Burgfrieden geradezu erfunden hat.<\/p>\n<p>Aber wen haben wir denn da noch? Sieh an, Heribert Prantl von der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/,tt1l2\/deutschland\/artikel\/564\/53511\/\"> S&uuml;ddeutschen<\/a>. Und der ist in Hochform. &#8222;Der Tod ist etwas anderes als die Todesn&auml;he&#8220;, schwadroniert er, denn der Rhein bei D\u00fcsseldorf war nie dem Styx \u00e4hnlicher als heute: &#8222;Wenn es wirklich so weit ist, ist alles anders &#8211; dramatischer, existenzieller&#8220;. Mir scheint, Prantl durfte den Kommentar zum Tod des Papstes nicht schreiben, jetzt hat er seinen geplanten Text einfach umgebaut:  &#8222;Die Wucht des Ereignisses wirft auch diejenigen Sozialdemokraten um, die sich gewappnet hatten und gewappnet glaubten.&#8220;<\/p>\n<p>Prantl w\u00e4re aber ein schlechter Virtuose des Feuilletons, wenn er nicht nach all dem Dr\u00e4ngen und Dr\u00e4uen doch einen schmissigen Rhythmus-Wechsel hinbek\u00e4me. Neuwahlen hei\u00dft das Stichwort: &#8222;Das ist ein Coup, das soll die letzten Reserven mobilisieren, das soll die Partei disziplinieren, das soll von der Wahlniederlage ablenken.&#8220; Jawohl, das hat Schwung, das geht ab, das macht Laune. &#8222;Neuwahlen &#8211; das ist Angriff, das ist Poker um die Macht, das ist Spekulation auf Turbulenzen.&#8220; Doch w\u00e4hrend der sozialdemokratische Leser schon mit Ufftata und klingendem Spiel um den Reichstag ziehen will, ist Prantl wieder beim Wigalaweia: &#8222;Solange Wahlkampf ist, ist noch Hoffnung, und wenn es nur die auf ein Wunder ist.&#8220;<\/p>\n<p>Also schnell weg, bevor er beim Spekulieren in noch heftigere Turbulenzen ger&auml;t. Aber in der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2005\/21\/nrw\">Zeit<\/a> hat Karsten Polke-Majewski (entfernt wohl verwandt mit Dieter Marsch-Radetzky) auch eine harte Landung: &#8222;Merkel, Stoiber, Koch, M&uuml;ller &#8211; das sind die wichtigen Tangenten der Union&#8220;. Sieh an, ich h\u00e4tte jetzt gedacht, die bef\u00e4nden sich im Zentrum der Macht, so mit Schalthebeln und so, aber man kann sich ja t&auml;schen. Jedenfalls, so Tangenten sind schon wichtig, denn &#8222;die Achse verschiebt sich: hin zum Arbeitnehmerfl&uuml;gel&#8220;. Wenn selbst die Geometrie verr&uuml;ckt spielt, helfen nur letzte Gewi&szlig;heiten: &#8222;Nordrhein-Westfalen ist nicht Bayern&#8220;. Danke, Herr Tango-Masurski.<\/p>\n<p>Was soll man da als Fazit ziehen? Vielleicht das von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2005\/21\/kolumne\">Robert Leicht<\/a>? &#8222;D&uuml;sseldorfer Schock &#8211; Berliner Schach&#8220;, sagt Leicht und spielt dann doch nur Hamburger Halma. &#8222;Eine gro&szlig;e Koalition w&auml;re sogar gut&#8220; findet et, weil eine gro&szlig;e Koalition n&auml;lich &#8222;wirklich etwas auf die Beine stellen&#8220; k&ouml;nnte &#8211; &#8222;Verstand aller Beteiligten vorausgesetzt&#8220;. Da glaubt Leicht schon zwei S&auml;tze sp&auml;ter selbst nicht mehr dran, denn &#8222;dazu w&auml;re vieles vorauszusetzen&#8220;. Deine Rede sei ja ja, nein nein, alles andere setzt zu viel voraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rot-Gr&uuml;n hat die Wahl in NRW verloren. Das ist keine &Uuml;berraschung. 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