{"id":813,"date":"2008-11-06T23:45:39","date_gmt":"2008-11-06T20:45:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=813"},"modified":"2008-11-06T23:45:39","modified_gmt":"2008-11-06T20:45:39","slug":"mit-den-fussen-voran-durchs-hahnentor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/11\/06\/mit-den-fussen-voran-durchs-hahnentor\/","title":{"rendered":"Mit den F\u00fc\u00dfen voran durch&#8217;s Hahnentor"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3014\/3006386544_d20770466b.jpg\" alt=\"Stadtsparkasse K\u00f6ln\" \/><\/p>\n<p>Ein architektonisches Juwel ist sie sicher nicht, die ehemalige Hauptgesch\u00e4ftsstelle der Stadtsparkasse K\u00f6ln. Aber sie ist doch ein ganz gutes Beispiel f\u00fcr den zaghaften Aufbruch der deutschen Nachkriegsarchitektur in die Moderne: Eine Art Brutalismus light. Mich hat die Fassade immer an rautiertes Papier erinnert: Klare Linien, aber doch eine gewisse Leichtigkeit. Wenn man den Wechsel der unterschiedlichen Graut\u00f6ne aus der N\u00e4he betrachtet, hat das Ensemble sogar fast etwas wie Eleganz.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3151\/3005547155_811dc31276.jpg\" alt=\"Stadtsparkasse K\u00f6ln\" \/><\/p>\n<p>Der Stadtsparkasse reichte diese graue Zur\u00fcckhaltung nicht lange aus. Schon Anfang der Neunziger lie\u00df man sich nebenan einen ambitionierten Neubau errichten, mit viel Glas und Neon, der aber, muss man sagen, im Vergleich zum spartanischen Vorg\u00e4ngerbau wesentlich unvorteilhafter gealtert zu sein scheint und eher den Charme eines mittelst\u00e4dtischen Freizeitbades ausstrahlt. Die alte Zentrale ist in den vergangenen Jahren eher ein Monument des Scheiterns gewesen: Der ProMarkt versuchte von hier aus, Saturn auszuhebeln, musste aber ebenso klein beigeben wie zahlreiche Modegesch\u00e4fte an der Ringseite. Gro\u00dfe Teile des Geb\u00e4udes standen, so weit man das von au\u00dfen sehen konnte, einfach leer.<\/p>\n<p>Das ist nun bald Vergangenheit. Die Abrei\u00dfkommandos sind bereits unterwegs, und bis zum Ende des n\u00e4chsten Jahres soll hier schon ein neuer Komplex stehen. Architekten sind Hentrisch-Petschnigg Partner (denen die Sparkasse schon ihr Spa\u00dfbad nebenan verdankt), Bauherr ist die MEAG, eine Verm\u00f6gensverwaltung von M\u00fcnchner R\u00fcck und Ergo. Geplant ist ein siebengeschossiges Geb\u00e4ude mit viel Glas, &#8222;hochwertigen Einzelhandelsgesch\u00e4ften&#8220;, &#8222;teilweise auch Au\u00dfengastronomie&#8220;, und \u00fcberhaupt alles in &#8222;transparenten Geb\u00e4uden, die regenerative Energien nutzen&#8220;. Der ganze Shabang eben, der zu so einem Projekt dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Einen Namen gibt es auch schon: <em>Westgate<\/em>. Im angels\u00e4chsischen Raum steht das Suffix <em>-gate<\/em> ja eher f\u00fcr Dinge, die im Fiasko enden. Die MEAG will den Namen aber historisch gedeutet wissen und informiert uns, dass &#8222;im Mittelalter K\u00f6nige nach ihrer Kr\u00f6nung im Aachener Dom zum Reliquienschrein der Heiligen Drei K\u00f6nige in die K\u00f6lner Kathedrale&#8220; zogen, und zwar \u00fcber &#8222;die Achse Aachener Stra\u00dfe \u2013 Neumarkt \u2013 Dom mit der Hahnentorburg als Eintrittspforte&#8220;. Die &#8222;Achse&#8220; ist auf dem Stadtplan betrachtet eher eine krumme Banane, aber egal, historische Schnipsel wie diese streut man einfach gerne in die Investment-Prospekte.<\/p>\n<p>Vielleicht interessiert es die MEAG, dass die Aachener Strasse und die Hahnentorburg sogar eine viel reichhaltigere Geschichte haben. Eine wichtige Bedeutung dieser Achse ist in K\u00f6ln sogar redensartlich geworden: Wenn man von jemandem sagt, er sei &#8222;met de F\u00f6\u00f6ss v\u00fcran de Hahnepooz eruss&#8220;, dann geht es ihm meistens nicht mehr sehr gut. Er ist dann n\u00e4mlich im Sarg (also mit den F\u00fc\u00dfen voran) durch das Hahnentor getragen worden, in Richtung Melaten-Friedhof. Wenn man sich anguckt, wie&#8217;s <a href=\"http:\/\/ftalphaville.ft.com\/blog\/2008\/11\/04\/17790\/the-commercial-real-estate-risk-list\/\">auf den Immobilienm\u00e4rkten aussieht<\/a>, scheint mir das auch eine nicht ganz passende Referenz.<\/p>\n<p>&#8222;Weltst\u00e4dtische Eleganz und die harmonische Einbindung in die Bestandsarchitektur an den Ringen wird dieses ambitionierte Projekt auszeichnen&#8220;. Weltst\u00e4dtische Eleganz ist freilich etwas, was es hier am Rudolfplatz, neben Imbissb\u00fcdchen, Reiseb\u00fcros und Kamps-B\u00e4ckereien, nicht wirklich gibt. Und eine harmonische Einbindung in ein st\u00e4dtisches Umfeld, in dem es alles gibt au\u00dfer stilistischer Harmonie, das ist nun echt eine Aufgabe, auf deren L\u00f6sung ich gespannt bin.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3245\/3005571651_d2621636cc.jpg\" alt=\"In Bed with Space\" \/><\/p>\n<p>Gegen\u00fcber von der alten Sparkasse gibt es \u00fcbrigens noch so ein Relikt modernistischer Architektur, das mehr oder weniger vor sich hingammelt: Das Theater am Rudolfplatz. Momentan ist darin eine Disco untergebracht, in der sich das trifft, was in K\u00f6ln Schickeria sein m\u00f6chte. Unter der niedlichen Bullaugen- und Triangel-Front h\u00e4ngt ein Plakat mit einem bizarren 80er-Jahre-Motiv und der Aufschrift: &#8222;In Bed With Space&#8220;. Ich habe keine Ahnung, was damit gemeint ist, aber es w\u00e4re kein schlechtes Motto f\u00fcr einen Architekturblog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein architektonisches Juwel ist sie sicher nicht, die ehemalige Hauptgesch\u00e4ftsstelle der Stadtsparkasse K\u00f6ln. Aber sie ist doch ein ganz gutes Beispiel f\u00fcr den zaghaften Aufbruch der deutschen Nachkriegsarchitektur in die Moderne: Eine Art Brutalismus light. Mich hat die Fassade immer an rautiertes Papier erinnert: Klare Linien, aber doch eine gewisse Leichtigkeit. 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