{"id":832,"date":"2008-12-02T17:23:31","date_gmt":"2008-12-02T14:23:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=832"},"modified":"2008-12-02T17:23:31","modified_gmt":"2008-12-02T14:23:31","slug":"die-siedlung-busch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/12\/02\/die-siedlung-busch\/","title":{"rendered":"Die Siedlung Busch"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3056\/3066390947_3d89003eea.jpg\" alt=\"Siedlung Busch\" \/><\/p>\n<p>Ein kleines Idyll im Schatten der Halde: Die Siedlung Busch bei Alsdorf entstand als soziales Wohnbauprojekt, das den Bergleuten in der nahegelegenen Grube Anna die M\u00f6glichkeit zum Erwerb eines Eigenheims bieten sollte. Verantwortlich war die staatliche Aachener Bergmannssiedlungsgesellschaft (ABS), die heute noch existiert (wenn auch nur noch als Beteiligung des Evonik-Konzerns).<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3185\/3066371715_d1c8f2c110.jpg\" alt=\"Siedlung Busch\" \/><\/p>\n<p>Im Unterschied zu den Trabantensiedlungen, wie sie an vielen anderen Orten hochgezogen wurden, ging es in Busch ganz offensichtlich nicht nur darum, m\u00f6glichst viele Menschen auf m\u00f6glichst wenig (oder m\u00f6glichst effizient zu organisierendem) Platz unterzubringen. Stattdessen ist hier ganz offensichtlich versucht worden, ein eher d\u00f6rfliches Miteinander zu entwickeln und so etwas wie das Modell einer l\u00e4ndlichen Kleinstadt nachzubilden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3214\/3066375009_eae7346db4.jpg\" alt=\"Siedlung Busch\" \/><\/p>\n<p>Das sieht man ganz deutlich am Gr\u00fcnen Platz, mit seinem Abwechslungsreichtum an baulichen Formen und Zitaten: Treppengiebelchen hier, geklinkerte T\u00fcrst\u00fcrze dort, moderne und traditionelle Formen wechseln sich ab. Auch in den anderen Wohnstra\u00dfen hat man sich um Abwechslung bem\u00fcht: Die einzelnen Reihenh\u00e4uschen \u00e4hneln sich, aber gleichf\u00f6rmige Monotonie wurde bewusst vermieden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3202\/3067214616_b60335eacc.jpg\" alt=\"Siedlung Busch\" \/><\/p>\n<p>Das hat nat\u00fcrlich etwas Puppenstubenhaftes, auch deshalb, weil die H\u00e4user ganz offensichtlich erst vor wenigen Jahren saniert worden sind und in bunten Farben angestrichen wurden (ob das auch schon zur urspr\u00fcnglichen Konzeption geh\u00f6rte, weiss ich nicht). An einem tr\u00fcben Tag wie heute wirkt das Idyll jedoch angenehm ged\u00e4mpft. Zudem schiebt sich die Abraumhalde immer wieder in die Sichtachse der kleinen Stra\u00dfen und erinnert daran, dass das Leben hier alles andere als einfach war. Um das noch zu unterstreichen, erinnert ein Mahnmal auf dem Gr\u00fcnen Platz an die Toten des Bergbaus. 1930, als die Siedlung noch ganz neu und frisch bezogen war, ereignete sich auf der Grube Anna eines der schlimmsten Ungl\u00fccke im deutschen Bergbau: Nach einer Gasexplosion st\u00fcrzte ein F\u00f6rderturm auf ein benachbartes Geb\u00e4ude, 271 Menschen verloren dabei ihr Leben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3044\/3067210608_106325bd8f.jpg\" alt=\"Siedlung Busch\" \/><\/p>\n<p>Im Alltag mag die Idylle durch nachbarschaftliche Kontrolle geregelt worden sein. Das hat man wohl bei der Anlage der Siedlung bewusst so konzipiert: Kein Haus liegt wirklich im Abseits, die G\u00e4rten gehen zwar nach hinten raus, sind aber von den Nachbargrundst\u00fccken und von den kleinen Verbindungsstr\u00e4\u00dfchen gut einzusehen. Der R\u00fcckzug ins Private wird nur bis zu einem bestimmten Grad gestattet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3037\/3066366459_57425d82ae.jpg\" alt=\"Siedlung Busch\" \/><\/p>\n<p>Die Nachbarschaft als Kontrollinstanz, das ist ein Instrument, das dann die Nazis in den von ihnen konzipierten Siedlungen zu perfektionieren versuchten. In Alsdorf gibt es drei sogenannte &#8222;Ley-Siedlungen&#8220; &#8211; Begau, die Broicher Siedlung und Zopp -, und es lohnt sich, einen Spaziergang durch Busch mit einer Visite in einer der drei anderen Siedlungen zu verbinden. Auch wenn man in allen Dreien das urspr\u00fcngliche Kalk\u00fcl nur noch ansatzweise wahrnehmen kann: Die Bebauung der Nachkriegsjahre, und individuellere Pr\u00e4ferenzen bei der Renovierung und beim Umbau der H\u00e4user haben aus den ehemaligen Nazi-Vorzeigesiedlungen mittlerweile eher durchschnittliche, allenfalls ein bi\u00dfchen biedere und langweilige Wohnviertel gemacht. Aber das ist ja auch ganz gut so.<\/p>\n<p>(Der WDR hatte \u00fcbrigens in der vergangenen Woche ebenfalls einen Beitrag \u00fcber Busch in der Aachener <em>Lokalzeit<\/em>, den man <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/mediathek\/html\/\/regional\/2008\/11\/20\/lokac_01.xml\">hier ansehen kann<\/a> &#8211; dem Wetter nach zu urteilen, kann der Besuch in der Siedlung nicht allzu lange her sein. Der Beitrag ist zwar arg betulich geraten, aber man sieht wenigstens ein paar Bilder von den H\u00e4usern in Busch.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleines Idyll im Schatten der Halde: Die Siedlung Busch bei Alsdorf entstand als soziales Wohnbauprojekt, das den Bergleuten in der nahegelegenen Grube Anna die M\u00f6glichkeit zum Erwerb eines Eigenheims bieten sollte. 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