{"id":835,"date":"2008-12-16T18:17:25","date_gmt":"2008-12-16T15:17:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=835"},"modified":"2008-12-16T18:17:25","modified_gmt":"2008-12-16T15:17:25","slug":"unterwegs-mit-der-mittelrheinbahn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2008\/12\/16\/unterwegs-mit-der-mittelrheinbahn\/","title":{"rendered":"Unterwegs mit der Mittelrheinbahn"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3194\/3112578863_8b97504c65_m.jpg\" alt=\"Mittelrheinbahn\" \/><\/p>\n<p>Also bin ich dann gestern auch mal mit der neuen <a href=\"http:\/\/www.mittelrheinbahn.de\">Mittelrheinbahn<\/a> gefahren. Seit Sonntag verkehrt n\u00e4mlich auf der Strecke, auf der ich (mehr oder weniger) regelm\u00e4\u00dfig in die Stadt pendle, eine Privatbahn. Nicht die erste private Bahn in Deutschland, aber immerhin handelt es sich bei der linken Rheinstrecke zwischen Mainz und K\u00f6ln um eine der prestigetr\u00e4chtigsten und vielbefahrendsten Strecken im deutschen Bahnverkehr, und ich k\u00f6nnte mir denken, dass es der Bahn durchaus was ausmacht, hier den k\u00fcrzeren gezogen zu haben.<!--more--><\/p>\n<p>Die Mittelrheinbahn wird gerne als Privatbahn vorgestellt, aber die Gesellschafterstruktur ist komplexer: Wichtigster Teilhaber des Betreibers trans regio ist die EuRailCo, eine Tochter der franz\u00f6sischen Transdev, an der wiederum die staatliche <em>Caisse des d\u00e9p\u00f4ts et consignations<\/em> und der Pariser \u00d6PNV-Betreiber RATP beteiligt sind. Weiterer Gesellschafter ist die Rheinbahn, die wiederum einer Beteiligungsgesellschaft der D\u00fcsseldorfer Stadtwerke und der Stadt D\u00fcsseldorf geh\u00f6rt. Ein Privatunternehmen mit einem erstaunlichen Kreis an \u00f6ffentlichen Gesellschaftern also.<\/p>\n<p>Als Pendler ist einem das ja zun\u00e4chst einmal egal, wer da in den Bahnhof gerollt kommt: Hauptsache, er kommt einigerma\u00dfen p\u00fcnktlich, die T\u00fcren gehen auf, es ist drinnen angemessen bequem und warm und man kommt in einer \u00fcberschaubaren Zeit da an, wo man auch hin will. Am Sonntag, dem ersten Tag der neuen Bahn, hat das dem Vernehmen nach nicht so besonders gut geklappt: <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/nachrichten\/rp\/-\/id=1682\/nid=1682\/did=4299564\/1diw7zp\/index.html\">Startschwierigkeiten<\/a>, sogar <a href=\"http:\/\/www.general-anzeiger-bonn.de\/index.php?k=loka&#038;itemid=10490&#038;detailid=534979\">Chaos<\/a> haben einige Mitfahrer erlebt. Am Montag war es dann schon einigerma\u00dfen o.k.: In Deutz und am Hauptbahnhof rollte der Zug recht p\u00fcnktlich ins Gleis. Bei der Fahrt aus dem Hauptbahnhof ging es dann aber doch erstaunlich langsam voran, so als wollte die Bahn sich mit s\u00e4mtlichen Z\u00fcgen eben noch mal vorbeidr\u00e4ngeln, bevor der Newbie auf den Weg durfte.<\/p>\n<p>Dass sich auf der Strecke was tun wird, konnte man schon vor einigen Wochen feststellen, als in einigen Bahnh\u00f6fen zus\u00e4tzlich zu den orangenen Automaten des Verkehrsverbundes und den blauen der Bahn ein neuer, gelber hingestellt wurde. Au\u00dfer der Information, dass man auch dort bald Fahrkarten kaufen k\u00f6nne, war allerdings nicht viel zu erfahren (und ich frage mich, was ausl\u00e4ndische Touristen mit dieser babylonischen Automatenverwirrung anfangen).<\/p>\n<p>Aber wodurch unterscheidet sich nun so ein privater Betreiber in der Praxis? Eigentlich kaum, und als Fahrgast, siehe oben, ist einem das ja nur recht. Auf ihrer Website versuchen die Betreiber die Fahrt mit der Mittelrheinbahn zwar als touristischen Bummeltrip durch ein romantisches Abenteuerland zu positionieren, den meisten Pendlern d\u00fcrfte das aber herzlich egal sein. Die Waggons der Mittelrheinbahn sind angenehm durchschnittlich und unterscheiden sich kaum von dem, was die Deutsche Bahn durch die Lande schickt: Viel Hartplastik, mehr abgerundete Ecken als ein Web-2.0-Design und Displays in dieser punktf\u00f6rmigen Schrift, die ich immer &#8222;Marquee&#8220; nenne, weil ich nicht wei\u00df, ob sie \u00fcberhaupt einen Namen hat. Man muss auch keine Angst haben, aus versteckten Lautsprechern mit leichter Muzak beschallt oder von Flachbildschirmen mit Mordillo-Clips und Werbespots im Dutzend behelligt zu werden. Daf\u00fcr riecht es nach neuem Auto (und nach dem Jucken in meiner Nase zu urteilen, sind vielleicht nicht alle verwandten L\u00f6sungmittel allergisch unbedenklich).<\/p>\n<p>Die Designer haben zwar &#8222;alles getan, die Waggons optisch von der Flotte der Deutschen Bahn abzuheben&#8220;, behauptet <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/themen\/verkehr\/schiene02\/fahrplanwechsel\/081215.jhtml\">der WDR<\/a>. Wenn das so war, haben sie es offensichtlich nicht als besonders anspruchsvolle Aufgabe empfunden: Die Kombination von Mausgrau und Postgelb finde ich eher langweilig, und die Sitzbez\u00fcge haben eines dieser generischen Strichmuster, die schon zum Launch so out sind, dass es Jahre dauern wieder, bis sowas wieder retro-chic wird. Das Auff\u00e4lligste am ganzen Wagen ist freilich ein gro\u00dfer knallgelber Stern, der die Bahn als &#8222;neuen Star am Rhein&#8220; ank\u00fcndigt, aber so wie er platziert ist, k\u00f6nnte er auch Werbung f\u00fcr Musicals oder Schn\u00e4ppchenm\u00e4rkte machen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Waggons sind klimatisiert und behindertengerecht&#8220;, sagt der WDR, aber was den letzteren Aspekt angeht, bin ich mir nicht so sicher, da w\u00fcrde ich dann doch mal gerne einen Rollstuhlfahrer fragen k\u00f6nnen. Bei einer Bahn, die vor allem von Pendlern genutzt wird, h\u00e4tte man dann schon ein bisschen genauer hingucken k\u00f6nnen, ob der Einstieg \u00fcberall ebenerdig oder ohne gr\u00f6\u00dferen Schritt zwischen Fahrzeug und Bahnsteig m\u00f6glich, und der Gang zwischen den Sitzen kommt mir auch etwas eng vor. Einige Verwirrung gab&#8217;s (zumindest im Zug, in dem ich sa\u00df) auch dadurch, dass das Fahrradabteil anders als bei den Z\u00fcgen, die die Bahn einsetzt, nicht an einer Stelle (meist vorne oder hintem im Zug) angebracht ist, sondern als kleine Freir\u00e4ume \u00fcber den ganzen Zug verteilt. Die mitfahrenden Radfahrer knubbelten alle auf einer viel zu engen Fl\u00e4che im vorderen Wagen. Ist aber nur eine Sache der Gew\u00f6hnung.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Extras, mit denen die Mittelrheinbahn f\u00fcr sich wirbt, wie Wickeltisch oder \u00dcberwachungskameras, konnte ich mangels Kleinkind und Notlage nicht wirklich austesten. Und nicht verstanden habe ich auch, warum ein so durchschnittliches Zugmodell unbedingt auf den Namen &#8222;Desiro&#8220; h\u00f6ren muss &#8211; so kann man, bitte sch\u00f6n, Feinstrumpfhosen benennen, oder Di\u00e4tquark, aber nicht eine Eisenbahn.<\/p>\n<p>Ansonsten: Der Zug kam einigerma\u00dfen p\u00fcnktlich, die T\u00fcren gingen auf, es war drinnen angemessen bequem und warm. Am Fenster rauschten die Gewerbegebiete vorbei, die Neubauviertel und die Schlangen der nach Hause pendelnden Autofahrer, und sie sahen auch nicht anders aus wie aus den Fenstern eines Zuges der Deutschen Bahn. Und ich kam in einer \u00fcberschaubaren Zeit zu Hause an. Viel mehr muss ein Zug nicht k\u00f6nnen. Bitte nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also bin ich dann gestern auch mal mit der neuen Mittelrheinbahn gefahren. Seit Sonntag verkehrt n\u00e4mlich auf der Strecke, auf der ich (mehr oder weniger) regelm\u00e4\u00dfig in die Stadt pendle, eine Privatbahn. 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