{"id":837,"date":"2009-05-05T12:20:10","date_gmt":"2009-05-05T09:20:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=837"},"modified":"2009-05-05T12:20:10","modified_gmt":"2009-05-05T09:20:10","slug":"ce-que-gazouiller-veut-dire","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2009\/05\/05\/ce-que-gazouiller-veut-dire\/","title":{"rendered":"Ce que gazouiller veut dire"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Ich habe die V\u00f6gel gew\u00e4hlt, andere den Synthesizer. &#8211; <em>Oliver Messiaen<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Zu meinen Lieblingsplatten geh\u00f6rt ein Doppelalbum mit Vogelstimmen, eine alte Ariola-Platte (tats\u00e4chlich die Lizenzver\u00f6ffentlichung eines Amiga-Albums aus der DDR), die sich mein Vater mal f\u00fcr den Schulgebrauch zugelegt hatte. Wenige Platten sind so entspannend und anregend wie diese simple Aneinanderreihung verschiedener Formen von Gezwitscher, unterbrochen jeweils von der leicht an\u00e4mischen Stimme eines (laut Plattencover sehr authentischen) DDR-Ornithologen &#8211; &#8222;Nummer vierundzwanzig: Die Haubenlerche&#8220;.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise muss ich deswegen auch immer hinlesen, wenn es irgendwelche Studien zu irgendeinem interessanten Aspekt des Vogelgesangs gibt. Wie zum Beispiel diese hier: Zebrafinken, die isoliert gehalten werden, entwickeln \u00fcber einige Generationen hinweg einen Gesang, der dem Gesang der Artgenossen in freier Wildbahn \u00e4hnelt, <a href=\"http:\/\/www.sciencedaily.com\/releases\/2009\/05\/090503132617.htm\">heisst es hier<\/a>.<!--more--><\/p>\n<p>Das ist eine \u00fcberraschende Erkenntnis, aber das \u00dcberraschende muss man erst ein bisschen freilegen. Junge Finken lernen das Zwitschern von den \u00e4lteren Artgenossen, ganz wie es das Sprichwort will. Jeder Vogel entwickelt dabei aber seinen eigenen Gesangsstil, und dieser Prozess l\u00e4sst sich in zwei Phasen unterscheiden: Eine Phase des &#8222;Zuh\u00f6rens&#8220; und Memorierens, gefolgt von einer Phase, in der aus dem Geh\u00f6rten eine eigene Variation entwickelt wird, die aber freilich an eine vorgegebene, artenspezifische Grundstruktur angepasst bleibt.<\/p>\n<p>Man hat diese Gesangsentwicklung mit <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nrn\/journal\/v7\/n5\/abs\/nrn1904.html\">dem Spracherwerb des Menschen<\/a> verglichen und festgestellt, dass es auf der neuronalen Ebene tats\u00e4chlich \u00c4hnlichkeiten gibt zwischen Fink und Mensch. Mindestens soviel haben beide gemeinsam, dass in beiden F\u00e4llen \u00e4ltere Tutoren eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr die Weitergabe der Kommunikationscodes spielen. Aber wo haben die Tutoren ihre Kenntnisse her? Sind Zwitschern und Sprechen ausschlie\u00dflich gelernt, oder l\u00e4\u00dft sich die Kette auf eine Art sprachliche Urgestalt zur\u00fcckf\u00fchren?<\/p>\n<p>Amerikanische Forscher haben nun ein Experiment durchgef\u00fchrt, das in der Anordnung ein wenig an den mythischen Versuch Friedrichs II. erinnert, die Ursprache des Menschen dadurch herauszufinden, indem er Versuchskinder von Ammen aufziehen liess, denen jede sprachliche Kommunikation untersagt war. Die Forscher machten etwas \u00c4hnliches mit Zebrafinken: Sie isolierten sie von wilden Artgenossen. In der ersten Generation war das Ergebnis nicht \u00fcberraschend: Die Finken, die ohne Tutoren aufgewachsen waren, begannen zwar zu zwitschern, aber in einer &#8222;heiseren und arrhythmischen&#8220; Form, die offenbar wenig gemeinsam hatte mit dem Gesang, den Zebrafinken \u00fcblicherweise anstimmen. (In <a href=\"http:\/\/www.wired.com\/wiredscience\/2009\/05\/songbirdculture\/\">diesem <em>Wired<\/em>-Artikel<\/a> kann man sich die unterschiedlichen Variationen \u00fcbrigens anh\u00f6ren, was ich &#8211; &#8222;Nummer dreiundsechzig. Der Zebrafink in Isolation.&#8220; &#8211; nat\u00fcrlich mit Begeisterung gemacht habe.)<\/p>\n<p>Nun w\u00e4re es m\u00f6glich gewesen, dass die folgenden Generationen der isolierten Zebrafinken ebenfalls von der wilden Form abweichende Variationen des Gesangs entwickelt h\u00e4tten. Tats\u00e4chlich passierte aber das Gegenteil: Der Gesang glich sich \u00fcber mehrere Generationen (&#8222;drei bis vier&#8220;, hei\u00dft es) wieder an den wilden Stil an.<\/p>\n<p>Die Kommunikation der Finken w\u00e4re demnach also nicht nur etwas Gelerntes: Es gibt offensichtlich eine Art Basisstruktur, die m\u00f6glicherweise genetisch verankert ist, eine Art ideale Form, die gleichwohl einige Generationen ben\u00f6tigen kann, um realisiert zu werden. Sprache w\u00e4re also <a href=\"http:\/\/www.languageisavirus.com\/\">doch kein Virus<\/a>, sondern eine Schablone.<\/p>\n<p>Man beachte auch den interessanten Verweis auf einen \u00e4lteren <em>Nature<\/em>-Artikel <a href=\"http:\/\/www.haloscan.com\/comments\/raldanash\/1895330971132695623?url=http:\/\/www.gnxp.com\/blog\/2009\/05\/nurture-on-natures-leash.php&#038;thetime=5\/03\/2009%2001:53:00%20PM\">in den Kommentaren<\/a> zu <a href=\"http:\/\/www.gnxp.com\/blog\/2009\/05\/nurture-on-natures-leash.php\">dieser Notiz<\/a>: Es gibt genetische Gemeinsamkeiten zwischen afrikanischen Volksst\u00e4mmen, die \u00e4hnlich singen, selbst wenn sie kulturell und sozial starke Unterschiede aufweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe die V\u00f6gel gew\u00e4hlt, andere den Synthesizer. &#8211; Oliver Messiaen Zu meinen Lieblingsplatten geh\u00f6rt ein Doppelalbum mit Vogelstimmen, eine alte Ariola-Platte (tats\u00e4chlich die Lizenzver\u00f6ffentlichung eines Amiga-Albums aus der DDR), die sich mein Vater mal f\u00fcr den Schulgebrauch zugelegt hatte. 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