{"id":882,"date":"2011-02-09T21:12:10","date_gmt":"2011-02-09T18:12:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=882"},"modified":"2021-06-03T23:11:49","modified_gmt":"2021-06-03T21:11:49","slug":"die-urbantschitsche-methode","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2011\/02\/09\/die-urbantschitsche-methode\/","title":{"rendered":"Die urbantschitsche Methode"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4089\/4980223829_c43474753d_d.jpg\" alt=\"Phonolith-Werk\" \/><\/p>\n<blockquote><p>Eine ganze Stunde gebe er, Konrad, sich seiner Frau oft nicht als Experimentator zu erkennen, dann sage er aber pl\u00f6tzlich: ich experimentiere, Geh\u00f6rexperiment I, Anfang, gleich darauf schon die W\u00f6rter Luster und L\u00fcster und Laster und mache eine sogenannte Geh\u00f6rklangfarbenkontrolle. Ist das \u00d6 d\u00fcster?, frage er, ist das U d\u00fcster? ist das O d\u00fcster? Darauf sehr oft das Wort <em>Rinnsal<\/em>, das reinste. Mit dem Wort <em>Rinnsal<\/em> experimentiere er an die zehn Jahre, soll er zu Wieser gesagt haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Thomas Bernhard w\u00e4re heute 80 geworden, und das gibt mir die Gelegenheit zu einer bibliographischen Notiz. Eine besondere Rolle im Roman <em>Das Kalkwerk<\/em> spielt die sogenannte &#8222;urbantschitsche Methode&#8220; zur Geh\u00f6rbildung, mit der Konrad seine Frau &#8222;zu Tode experimentiert&#8220;. Wie diese Methode funktioniert (oder zumindest nach Konrads Auffassung funktionieren sollte), kann man an mehreren Stellen des Romans nachlesen. Ich habe mich aber doch gelegentlich gewundert, wer dieser Urbantschitsch war, dessen Name &#8211; mit dem gesetzten Urban am Anfang und dem gezischelten Tusch zum Schlu\u00df &#8211; selbst wie ein \u00dcbungswort aus einem H\u00f6rexperiment klingt.<!--more--><\/p>\n<p>Nun, ihren Namen hat die urbantschitsche Methode von Viktor Urbantschitsch (1847-1921), einem Wiener HNO-Arzt, der als ein Pionier der modernen Ohrenheilkunde gilt (was ihm sp\u00e4ter ein &#8222;von&#8220; vor dem Nachnamen einbrachte). Entwickelt hat er sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts, ausgef\u00fchrt ist sie in den Grundz\u00fcgen in seinem <em>Lehrbuch der Ohrenheilkunde<\/em> (1884); eingehender (und anschaulicher) erl\u00e4utert er sie in der Schrift <em>\u00dcber H\u00f6r\u00fcbungen bei Taummstummheit und bei Ertaubung im sp\u00e4teren Lebensalter<\/em> (1895). Beide Texte sind <a href=\"http:\/\/www.archive.org\/search.php?query=creator%3A%22Victor+Urbantschitsch%22\">im <em>Internet Archive<\/em><\/a> verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm6.static.flickr.com\/5172\/5430481531_5f344f15bc_d.jpg\" alt=\"Viktor Urbantschitsch\" \/><\/p>\n<p>Urbantschitsch war \u00fcberzeugt davon, dass Schwerh\u00f6rigkeit und Taubheit in den weitaus meisten F\u00e4llen heilbare Probleme seien, denn &#8222;eine thats\u00e4chliche vollst\u00e4ndige Taubheit [ist] auch unter Taubstummen als selten zu erkl\u00e4ren, da gew\u00f6hnlich, wenigstens auf einem Ohr, H\u00f6rreste nachweisbar sind&#8220;. Mangelnde H\u00f6rf\u00e4higkeit werde vor allem durch eine &#8222;Inaktivit\u00e4tslethargie&#8220; der H\u00f6rnerven verursacht. Um diese Lethargie zu \u00fcberwinden, brachliegende &#8222;H\u00f6rspuren anzufachen&#8220; und entsprechende &#8222;sensitive Perceptionsfelder&#8220; zu aktivieren, entwickelte Urbantschitsch ein detailliertes \u00dcbungsprogramm, eine Art Fitnesstraining f\u00fcr die Ohren, das ein sorgf\u00e4ltiges Ein\u00fcben von H\u00f6rleistungen und ein akribisches Aufzeichnen der erzielten Fortschritte m\u00f6glich machen sollte.<\/p>\n<p>Der Arzt ist demnach ein &#8222;Gott unerweckter Ohren&#8220; (wie der Germanist Stefan Rieger schrieb), der mit Akribie und Genauigkeit einen objektiv erfolgreichen Therapie- und Sch\u00f6pfungprozess einleiten kann. Die Ma\u00dfnahmen, die Urbantschitsch vorgibt, lassen jedoch schon die Unerbittlichkeit ahnen, die Konrad im Kalkwerk zum \u00c4u\u00dfersten treibt, bis hin zur k\u00f6rperlichen \u00dcberw\u00e4ltigung und Beherrschung des Patienten.<\/p>\n<blockquote><p>Ich beginne die Uebungen damit, dass ich der taubstummen Person, die bereits vom Munde abzulesen versteht, einen Vocal, gew\u00f6hnlich a oder o, laut und gedehnt wiederholt ins Ohr rufe. Im Falle dabei keine Geh\u00f6rempfindung erregt wird, stelle ich dieselben Versuche mit einem anderen Vocale an. Bleiben auch diese Versuche ohne Resultat, so wiederhole ich sie bei verst\u00e4rkter Schalleinwirkung, zu welchem Zwecke ich mit beiden Hohlh\u00e4nden einen Trichter bilde, durch welchen zum Ohre gesprochen wird. H\u00f6rrohre wende ich hierzu fast niemals an, da diese die Klangfarbe der Stimme wesentlich beeinflussen, was bei einem durch die H\u00e4nde gebildeten, weichwandigen Schalltrichter nicht der Fall ist.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Schwer verst\u00e4ndliche Buchstaben m\u00fcssen besonders einge\u00fcbt werden, so auch leicht zu verwechselnde, b und p, d und t, b und d, g und k, ferner z, s, pf u.s.w.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Dabei bestehen bedeutende individuelle Verschiedenheiten, indem gewisse Buchstaben von einzelnen tauben Personen in kurzer Zeit deutlich verstanden werden, von anderen dagegen erst nach vielen Wochen, selbst Monate langen Uebungen. [&#8230;] so kann sogar a, wie ich dies aus einigen F\u00e4llen ersehe, einen falschen oder gar keinen H\u00f6reindruck erregen.<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm6.static.flickr.com\/5058\/5431088862_c1485be6d9_d.jpg\" alt=\"Urbantschitsch, Lehrbuch der Ohrenheilkunde\" \/><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kommt es nicht nur auf eine penible Durchf\u00fchrung der therapeutischen Ma\u00dfnahmen an, sondern auch auf ein genaues Protokoll, das Fortschritte und Ergebnisse objektivierbar macht. Aber der letzte Abschnitt weist schon darauf hin, dass der Prozess der Geh\u00f6rbildung nicht so einfach zu kontrollieren ist. Fehler k\u00f6nnen sich einschleichen, die selbst mit der akribischsten Versuchsanordnung nur schwer zu eliminieren sind. So schildert er den Fall eines &#8222;fast sprachtauben Mannes&#8220;, der &#8222;den Satz &#8218;Heute ist es tr\u00fcb&#8216; als &#8218;Lampe, Fenster, tr\u00fcb'&#8220; vernahm, &#8222;wobei die Worte &#8218;Lampe&#8216; und &#8218;Fenster&#8216; demselben aus vorausgegangenen Uebungen wohl bekannt waren&#8220;.<\/p>\n<blockquote><p>Das Wort &#8218;Fenster&#8216; wiederholt ausgesprochen, wurde als &#8218;Fenster&#8216;, beim zweitenmale aber als &#8218;Lampe&#8216; angegeben, also auff\u00e4lliger Weise das erstemal richtig, das zweitemal, unmittelbar darauf, falsch geh\u00f6rt, eine Beobachtung, die sich oft vorfindet.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Wiederholung eines Experiments, muss Urbantschitsch feststellen, f\u00fchrt nicht notwendigerweise zum jeweils gleichen Ergebnis. Hartn\u00e4ckigkeit ist gefordert:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn man sich stets vor Augen h\u00e4lt, dass mit der Anfachung der ersten H\u00f6rspur m\u00f6glicher Weise eine weitere Entwicklung des H\u00f6rsinnes angebahnt ist, so wird man sich wohl der grossen Verantwortung bewusst sein, die in einem allzufr\u00fchzeitigen Aufgeben der methodischen H\u00f6r\u00fcbungen gelegen sein kann, da vielleicht in den betreffenden F\u00e4llen bei l\u00e4ngerer Ausdauer ein Erfolg m\u00f6glich gewewsen w\u00e4re.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und auch den k\u00f6rperlichen Tribut spart Urbantschitsch nicht aus:<\/p>\n<blockquote><p>Ich m\u00f6chte diesbez\u00fcglich besonders darauf aufmerksam machen, dass die acustischen Uebungen grosse Anforderungen auch an die physische Kraft des Lehrers stellen, und dass sich eine schw\u00e4chliche Constitution diesen Uebungen gew\u00f6hnlich nicht gewachsen zeigt.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcber die physische Kraft des Patienten, der den therapeutischen Ma\u00dfnahmen ausgesetzt wird, sagt Urbantschitsch hier nichts. Immerhin l\u00e4sst er durchblicken, dass dessen Geduld und Leistungsf\u00e4higkeit nicht \u00fcberbeansprucht werden kann. Dann muss der Arzt auch mit psychologischem Gesp\u00fcr zur Werke gehen.<\/p>\n<blockquote><p>Die Heranbildung des unterschiedlichen H\u00f6rens der einzelnen Buchstaben [bedarf] h\u00e4ufig einer sehr m\u00fchevollen und langwierigen Uebung, weshalb auch die Gefahr sehr nahe liegt, dass besonders Kinder diesen Uebungen ein immer geringeres Interesse entgegenbringen und sich diesen schliesslich nur widerwillig unterziehen. [&#8230;] Es ist daher vom p\u00e4dagogischen Standpunkte aus sehr wichtig, die H\u00f6r\u00fcbungen baldm\u00f6glichst anregender zu gestalten. Dies wird gew\u00f6hnlich dadurch erreicht, dass man sobald nur einzelne Vocale und Consonanten verstanden werden, zu leichtfasslichen W\u00f6rtern \u00fcbergeht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit der Zeit lie\u00dfen sich dann auch &#8222;kurze S\u00e4tze [&#8230;] derart ein\u00fcben und werden nach h\u00e4ufiger Wiederholung immer leichter wiedererkannt, so dass dieses acustische Memoriren ein wichtiges Mittel zur Erwerbung eines Wortschatzes bildet&#8220;, schreibt Urbantschitsch.<\/p>\n<p>Wenn er \u00dcberbeanspruchung und therapeutischen Exzess ablehnt, dann weniger aus R\u00fccksicht auf den Patienten, sondern weil sich dadurch nicht immer der gew\u00fcnschte Erfolg produzieren lie\u00dfe, etwa wenn &#8222;der durch eine allzuheftige Schalleinwirkung ausgel\u00f6ste besonders starke acustische Reiz [&#8230;] erfahrungsgem\u00e4ss eine baldige acustische Ermattung nach sich [zieht] und also sch\u00e4digend anstatt anregend [wirkt]&#8220;. Der Arzt ist eine Janusgestalt: Er soll dem Patienten Gutes tun und Heilung bringen, aber in der Erf\u00fcllung dieses Auftrags degradiert er den Patienten zum Objekt, das manipulierbar ist, kontrolliert, beherrscht und abgemessen werden muss. Kurz: Der Arzt ist &#8222;f\u00fcrchterlich, gleichzeitig hilfsbereit, Sadist, gleichzeitig f\u00fcrsorglich&#8220;, wie es von Konrad im <em>Kalkwerk<\/em> hei\u00dft.<\/p>\n<p>Aber die Atomisierung der Therapie in Dutzende von Einzelmomenten und -ma\u00dfnahmen, wie sie Urbantschitsch ganz buchst\u00e4blich vornimmt, unterwirft den Arzt auch seiner eigenen Maschinerie, deren Kontrolle ihm entgleitet. Die vielen kleinen Warnungen und detaillierten Hinweise, die er seinen Lesern gibt, entlarven, dass die Materialien, mit denen die Therapie arbeitet &#8211; Sprache und Klang &#8211; ebensowenig beherrschbar sind wie das soziale Gef\u00fcge einer Therapiesituation. W\u00e4hrend Urbantschitsch in seinen Lehrb\u00fcchern noch dar\u00fcber hinwegsehen kann, muss Konrad feststellen, dass ihm auch der Exzess nicht dabei hilft, seine Studien zum Abschluss zu bringen.<\/p>\n<blockquote><p>Er, Konrad, tyrannisiere seine Frau mit unverst\u00e4ndlichen S\u00e4tzen, die er einmal laut, einmal leise, einmal kurz, einmal lang, abwechselnd in eines ihrer beiden schon auf das Schmerzvollste entz\u00fcndeten Ohren hineinrede, indem er die Arme, wie auch immer wieder von der Konrad gesagt wird, die von ihm in sie hineingesprochenen S\u00e4tze kommentieren lasse bis zur Bewu\u00dftlosigkeit. Oft sei die Konrad so ersch\u00f6pft gewesen, da\u00df sie auf nichts mehr von ihm reagiere, sagen die Leute im Laska, ihr Mann aber habe ihr keine Ruhe gelassen und setzte die sogenannte urbantschitsche Methode ungeachtet ihrer totalen Ersch\u00f6pfung und also Teilnahmslosigkeit dann immer noch stundenlang, in manchen N\u00e4chten bis vier Uhr fr\u00fch, an ihr fort, et cetera.<\/p><\/blockquote>\n<p>Immer wieder laufen die Experimente aus dem Ruder, sie scheitern an der Ersch\u00f6pfung seiner Frau oder ihrer Renitenz, an widrigen \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden und daran, dass es Konrad nicht gelingt, f\u00fcr seine Beobachtungen eine unanfechtbare, an sich stabile Struktur zu finden. Der Versuch, den &#8222;Verstand als chirurgisches Instrument gegen\u00fcber der sich sonst unweigerlich aufl\u00f6senden, ja sonst rettungslos zerbr\u00f6ckelnden Geschichts- und Naturmaterie&#8220; zu gebrauchen, f\u00fchrt nur dazu, dass die Materie, an der sich Konrad abarbeitet, noch weiter aufl\u00f6st und zerbr\u00f6ckelt, w\u00e4hrend die gesuchte Systematik hinter den zahllosen Lauten, W\u00f6rtern und S\u00e4tzen, mit denen Konrad seine Frau traktiert, verschwindet: &#8222;Wie leicht verzettele sich der Dilettant, komme im Detail um, soll Konrad gesagt haben. Es erfordere eine beinahe \u00fcbermenschliche Anstrengung, immer gleichzeitig alles zu sehen im Hinblick auf das Geh\u00f6r.&#8220; Und f\u00fcr \u00fcbermenschliche Anstrengungen ben\u00f6tigt man mindestens, siehe oben, eine gute Constitution.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich scheitert nicht nur Konrad mit dem Versuch, die urbantschitsche Methode so zu perfektionieren und zu radikalisieren, dass sie &#8222;\u00fcberhaupt nicht mehr als urbantschitsche Methode&#8220; bezeichnet werden k\u00f6nnte. Der Text selbst ist mit seinen Wiederholungen, Variationen und gedanklichen Schleifen so organisiert, als f\u00fchre da jemand ein Wahrnehmungsexperiment durch, als lie\u00dfe sich Wahrheit dadurch produzieren, dass m\u00f6glichst hartn\u00e4ckig auf ihren Einzelteilen insistiert wird. Und doch ist das, was wir zu h\u00f6ren\/lesen bekommen, nur eine Wiederholung, ein Echo, das der Erz\u00e4hler des Textes aus unz\u00e4hligen, nicht immer konsistenten und bisweilen interpretierenden statt schildernden Zeugenaussagen montiert. Warum Konrad seine Frau umbringt, l\u00e4sst sich so nur einkreisen, aber nicht endg\u00fcltig ermitteln. Im Gegenteil: Je mehr Indizien vorgef\u00fchrt und je mehr Spuren angefacht werden, umso mehr scheint die Tat auch zu entgleiten:<\/p>\n<blockquote><p>Mir geht es um eine durch und durch aufschlu\u00dfreiche Schrift, soll Konrad gesagt haben, mit dieser Schrift sei ein Endpunkt zu setzen, ein Endpunkt, der nat\u00fcrlich in dem Augenblick, in welchem er gesetzt ist, kein Endpunkt mehr sein kann und so fort.<\/p><\/blockquote>\n<p>Urbantschitschs Idee einer rein auf physiologischem Wege, durch sportliche Trainingsma\u00dfnahmen wiederherstellbaren und verbesserbaren H\u00f6rf\u00e4higkeit, blieb \u00fcbrigens nicht lange ohne Widerspruch: Schon sein Zeitgenosse Friedrich Bezold (1842-1908) ging davon aus, dass &#8222;was an Geh\u00f6r nicht vorhanden oder verloren gegangen ist durch keine Therapie, auch nicht durch H\u00f6r\u00fcbungen wiedergewonnen werden kann&#8220;, und suchte darum eher nach Therapie- und Behandlungsmethoden, die die jeweiligen Voraussetzungen des Patienten ber\u00fccksichtigen, anstatt ihn an ein universales Ma\u00df angleichen zu wollen. Versatzst\u00fccke der urbantschitschen Methode finden sich aber hier und da noch in Behandlungs- oder Erziehungsempfehlungen.<\/p>\n<p>Ein kleines Postskript: Objektive und me\u00dfbare Wege zur individuellen Vervollkommnung proklamierte \u00fcbrigens auch der Sohn Viktor von Urbantschitschs, wenn auch auf einem ganz anderen Terrain: Rudolf Urbantschitsch (das &#8222;von&#8220; fiel mit dem Ende der k.u.k.-Monarchie weg) war Psychoanalytiker und geh\u00f6rte zeitweise zur Mittwochsgesellschaft Sigmund Freuds. Er galt allerdings eher als Popularisierer, wenn nicht gar Trivialisierer der Psychoanalyse, und seine popul\u00e4rwissenschaftlichen Schriften zur <em>Modernen Kindererziehung<\/em> oder zur <em>Selbsterkenntnis mit Hilfe der Psychoanalyse<\/em> machten ihn f\u00fcr einige Wissenschaftler eher zur <em>persona non grata<\/em>. W\u00e4hrend des Dritten Reichs emigrierte er in die USA, trug dort einiges zum Aufschwung der Psychoanalyse bei und verfasste nach dem Krieg unter dem Namen Dr. Rudolf von Urban das Buch <em>Sex Perfection and Marital Happiness<\/em>. Vermutlich ein fr\u00fches Standardwerk \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.reuniting.info\/wisdom\/von_urban_sex_perfection_and_marital_happiness\">Weg zum tantrischen Gl\u00fcck<\/a>, zu dem die <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rudolf_von_Urban\">englische Wikipedia<\/a> folgendes zu berichten weiss: &#8222;The findings of his research indicate that improved over-all health and well-being are a result of engaging in &#8218;Sex Perfection&#8216;.&#8220; Ob diese Perfektionierung eine \u00e4hnliche Akribie voraussetzt wie das H\u00f6rtraining seines Vaters, oder ob sie vielleicht doch eher den <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Buddy_Buddy\">Methoden des Dr. Hugo Zuckerbrot<\/a> \u00e4hnelt, entzieht sich leider meiner Kenntnis.<\/p>\n<p>Ein weiterer erw\u00e4hnenswerter Nachfahre ist der Enkel <a href=\"http:\/\/www.lexm.uni-hamburg.de\/object\/lexm_lexmperson_00001311\">Viktor Urbancic<\/a>, Komponist, Dirigent und Pianist, den es 1938 in ein ungew\u00f6hnliches Exil verschlug, n\u00e4mlich nach Island (wo er die slowenische Schreibung des Familiennamens annahm). Dort leistete er auf seine Art akustische Pionierarbeit: Er gilt als Begr\u00fcnder der professionellen Orchester- und Konzertlandschaft auf der Insel. Schreibt zumindest sein Enkel Johann Kneihs, Redakteur der ORF-Sendung <em>Spielr\u00e4ume<\/em> und Autor eines biographischen Beitrags \u00fcber seinen Gro\u00dfvater, der <a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/programm\/268259\">am 28. Februar 2011<\/a> ausgestrahlt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine ganze Stunde gebe er, Konrad, sich seiner Frau oft nicht als Experimentator zu erkennen, dann sage er aber pl\u00f6tzlich: ich experimentiere, Geh\u00f6rexperiment I, Anfang, gleich darauf schon die W\u00f6rter Luster und L\u00fcster und Laster und mache eine sogenannte Geh\u00f6rklangfarbenkontrolle. Ist das \u00d6 d\u00fcster?, frage er, ist das U d\u00fcster? ist das O d\u00fcster? 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