{"id":89,"date":"2005-05-29T13:17:20","date_gmt":"2005-05-29T11:17:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.de\/nb\/?p=89"},"modified":"2005-05-31T03:37:53","modified_gmt":"2005-05-31T01:37:53","slug":"epos-in-den-bergen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/05\/29\/epos-in-den-bergen\/","title":{"rendered":"Ciclismo d&#8217;antan"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"http:\/\/www.corriere.it\/Primo_Piano\/Sport\/2005\/05_Maggio\/29\/giro.shtml\">Corriere della Sera<\/a> ist ganz au\u00dfer sich vor Begeisterung \u00fcber die letzte Etappe des <a href=\"http:\/\/www.giroditalia.it\">Giro<\/a>. Ein &#8222;Giro aus einer anderen Zeit&#8220;, sei das gewesen, schreibt Aldo Grasso, &#8222;ciclismo d&#8217;antan&#8220;, und f\u00fchlt sich erinnert an Zeiten, als der Radsport noch &#8222;im Gleichgewicht&#8220; war, &#8222;unentzifferbar und nicht von Taktik zerdacht&#8220;. Was nat\u00fcrlich romantischer Unfug ist: Unschuldig war der Radsport nie, und mit Savoldelli hat ja gerade ein Fahrer gewonnen, der eher auf taktische Klugheit als auf Aggressivit\u00e4t und Kraft setzt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAber man kann die Begeisterung ja verstehen: Die vorletzte Etappe hatte alles, was ein echtes Epos braucht. Den m\u00f6rderischen Anstieg zum Colle del Finestre mit dem fast zehn Kilometer langen Abschnitt \u00fcber Schotterstra\u00dfe, Temperaturen um die drei\u00dfig Grad, den beherzten und dann doch erfolglosen Angriff des Trios Simoni, Di Luca und Rujano auf Spitzenreiter Savoldelli, Simonis f\u00fcnf Minuten im rosa Trikot, Schwei\u00df, Staub, Kr\u00e4mpfe: Wollte man jemandem erkl\u00e4ren, was am Radsport so faszinierend ist, ein Video der letzten Stunde dieser Etappe w\u00fcrde ausreichen. Nicht ganz unschuldig an der nostalgischen Verkl\u00e4rung ist nat\u00fcrlich die <a href=\"http:\/\/www.raisport.rai.it\">RAI<\/a>, die immer wieder auf Schwarz-Wei\u00df-Bilder schaltete, w\u00e4hrend die Radler sich die Schotterpiste hochk\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Insgesamt hat der Giro auch in diesem Jahr wieder gezeigt, dass er, was Anspruch und Niveau der Streckenf\u00fchrung angeht, keineswegs hinter der Tour zur\u00fcckstehen mu\u00df. Die diesj\u00e4hrige Ausgabe d\u00fcrfte \u00fcberhaupt eines der schwierigsten Rennen gewesen sein, das in den letzten Jahren im Radsport gefahren wurde. Der Spannung tut das nur gut: Ein Dominator wie Lance Armstrong ist beim Giro nicht abzusehen. Die Favoriten Cunego und Basso brachen ein, von Cunego war nach den Dolomiten \u00fcberhaupt nichts mehr zu sehen. Basso holte sich wenigstens zwei Etappenerfolge, war aber gestern auch mit seinen Kr\u00e4ften am Ende.<\/p>\n<p>Angesichts der H\u00e4rte des Kurses ist der Sieg von Savoldelli allerdings wirklich eine \u00c3\u0153berraschung, ich h\u00e4tte da einen angriffslustigeren Fahrer vorne erwartet und fast w\u00e4re das Simoni ja auch gelungen, wenn ihm nicht im Schlu\u00dfanstieg die Luft ausgegangen w\u00e4re. Dass er dann dem couragierten Rujano den Sieg madig machte (&#8222;Am Finestre haben ja nur Di Luca und ich gearbeitet.&#8220;), pa\u00dft dann wieder ins Bild des schlechten Verlierers, das er schon \u00f6fter abgegeben hat. Savoldelli dagegen gibt sich bescheiden: &#8222;Ich bin keiner der gro\u00dfen Giro-Champions, denn die haben in den Anstiegen attackiert und damit f\u00fcr die gro\u00dfe Show gesorgt. Am Fu\u00df des Finestre hatte ich Bammel, weil es so schnell ging, und ich h\u00e4tte nicht mehr gedacht, dass ich es noch schaffe.&#8220;<\/p>\n<p>\u00c3\u0153berhaupt war&#8217;s ein Giro der \u00c3\u0153berraschungen: Das Comeback der beiden Veteranen Simoni und Savoldelli, Di Lucas \u00fcberragende Z\u00e4higkeit in den Alpen (h\u00e4tte einen Ehrenplatz auf dem Podium verdient) und der sensationelle dritte Platz des Newcomers Rujano. Bei den Sprintern die merkw\u00fcrdigen Probleme von Petacchis Fassa-Zug (mit der slapstickreifen Geradeausfahrt in den Kurven von Marina di Grosseto). Am \u00fcberraschendsten aber vielleicht, dass es am Ende tats\u00e4chlich die Einzelleistungen und nicht so sehr die Mannschaften waren, die die ersten zehn Pl\u00e4tze entschieden haben. (Aus deutscher Perspektive kann man dagegen wieder nur den Kopf senken, respektabel der 12. Platz von Fothen, aber das war&#8217;s. T-Mobile? Startgeld abgeholt, mitgerollt und heimgefahren.)<\/p>\n<p>Wie sagt der <em>Corriere<\/em>: &#8222;Comunque \u00e8 stato bello.&#8220; Das kann man so stehen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Corriere della Sera ist ganz au\u00dfer sich vor Begeisterung \u00fcber die letzte Etappe des Giro. Ein &#8222;Giro aus einer anderen Zeit&#8220;, sei das gewesen, schreibt Aldo Grasso, &#8222;ciclismo d&#8217;antan&#8220;, und f\u00fchlt sich erinnert an Zeiten, als der Radsport noch &#8222;im Gleichgewicht&#8220; war, &#8222;unentzifferbar und nicht von Taktik zerdacht&#8220;. 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