{"id":941,"date":"2009-06-18T17:59:20","date_gmt":"2009-06-18T14:59:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=941"},"modified":"2009-06-18T17:59:20","modified_gmt":"2009-06-18T14:59:20","slug":"twitter-im-iran","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2009\/06\/18\/twitter-im-iran\/","title":{"rendered":"Twitter im Iran"},"content":{"rendered":"<p>Die Nachricht, dass die US-Regierung Twitter gebeten hat, Wartungsarbeiten aufzuschieben, damit im Iran weiter Tweets verschickt werden k\u00f6nnen, war gestern bei nahezu allen Medien ein gro\u00dfer Erfolg. Westliche Medien finden diesen ganzen Web-2.0-Kram immer genau dann toll und interessant, wenn es gegen totalit\u00e4re Regime geht.<\/p>\n<p>Ich hab mich allerdings trotzdem gefragt, ob die Twitter-Meldung nicht ausgerechnet dem Hype entspricht, den die Medien sonst so eifrig demontieren wollen. Wie gro\u00df ist die Rolle dieser Social-Networking-Dienste tats\u00e4chlich momentan im Iran? Kaum jemandem scheint zum Beispiel die Kleinigkeit aufgefallen zu sein, dass <a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/wp-dyn\/content\/article\/2009\/06\/16\/AR2009061603391.html?hpid=topnews\">Twitter gar kein Farsi unterst\u00fctzt<\/a>. F\u00fcr eine effiziente Kommunikation unter den Demonstranten d\u00fcrfte das wenig zweckm\u00e4\u00dfig sein.<\/p>\n<p>Dann ist da nat\u00fcrlich die Frage des Zugangs zu diesen Diensten. Die \u00dcberbewertung der Rolle von Social Networks geht implizit davon aus, dass die Protestbewegung vor allem Studenten aus den mittelst\u00e4ndischen Schichten in Teheran st\u00fcnden, w\u00e4hrend sich Ahmadinejads W\u00e4hlerschaft aus ungebildeten konservativen Dorfbewohnern rekrutiere. Ali Alizadeh, Philosophieprofessor in England, hat da <a href=\"http:\/\/www.cinestatic.com\/infinitethought\/2009\/06\/why-are-iranians-dreaming-again.asp\">ein paar interessante andere Beobachtungen<\/a> mitzuteilen. Kommunikation, Organisation und Agitation laufen bei weitem nicht nur \u00fcber virtuelle Kan\u00e4le, sondern nutzen auch einfache und traditionelle Methoden, etwa das Ausweichen von der Stra\u00dfe auf die Hausd\u00e4cher, um von dort Parolen wie &#8222;Tod dem Diktator!&#8220; zu rufen (eine Methode, die ironischerweise in der islamischen Revolution gegen den Schah eingesetzt wurde). Oder am Ende einer Demonstration laut den Ort und Treffpunkt der n\u00e4chsten zu skandieren.<\/p>\n<p>Glaubt man Alizadeh, ist die oppositionelle Bewegung auch weit umfangreicher und nicht nur auf&#8217;s Bildungsb\u00fcrgertum beschr\u00e4nkt:<\/p>\n<blockquote><p>Musavi\u2019s people, as the collective appearing in the rallies, is made of religious women covered in chador walking hand in hand with westernized young women who are usually prosecuted for their appearance; veterans of war in wheelchairs next to young boys for whom the Iran-Iraq war is only an anecdote; and working class who have sacrificed their daily salary to participate in the rally next to the middle classes.<\/p><\/blockquote>\n<p>M\u00f6glich, dass Mussawis Agenda doch radikaler ist, oder zumindest radikalere Effekte hervorruft, als man ihm zugetraut hat: Er habe, sagt Alizadeh, die Masse der Bev\u00f6lkerung als politisches Subjekt zur\u00fcckgebracht, w\u00e4hrend Ahmadinejad und auch die anderen Reformkandidaten st\u00e4rker auf Partikularinteressen setzten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nachricht, dass die US-Regierung Twitter gebeten hat, Wartungsarbeiten aufzuschieben, damit im Iran weiter Tweets verschickt werden k\u00f6nnen, war gestern bei nahezu allen Medien ein gro\u00dfer Erfolg. 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