{"id":965,"date":"2009-07-13T17:27:11","date_gmt":"2009-07-13T14:27:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=965"},"modified":"2009-07-13T17:27:11","modified_gmt":"2009-07-13T14:27:11","slug":"hofer-in-morsbroich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/2009\/07\/13\/hofer-in-morsbroich\/","title":{"rendered":"H\u00f6fer in Morsbroich"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3280\/3716143804_acc1a18462.jpg\" alt=\"Candida H\u00f6fer\" \/><\/p>\n<p>Sehenswert: Die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Candida_H%C3%B6fer\">Candida-H\u00f6fer<\/a>-Werkschau im <a href=\"http:\/\/www.museum-morsbroich.de\/\">Museum Morsbroich<\/a>. <em>Projects: Done<\/em> ist der lakonische Titel &#8211; ein auf den ersten Blick etwas widerspr\u00fcchliches Motto, denn ein Projekt ist ja eigentlich etwas, das dem Namen nach unabgeschlossen und offen bleibt, w\u00e4hrend das W\u00f6rtchen &#8222;done&#8220; zu signalisieren scheint, hier sei etwas abgehakt und erledigt worden.<!--more--><\/p>\n<p>Das Offene und Unabgeschlossene an den Projekten H\u00f6fers ergibt sich aus der Sache selbst: Die meisten Bilder besch\u00e4ftigen sich mit Ausstellungssituationen, mit Museen, Zoos, Auff\u00fchrungsst\u00e4tten, auf Repr\u00e4sentation angelegten politischen Geb\u00e4uden. Dadurch ergibt sich ein interessanter Verdopplungseffekt: Wir sehen, wie anderswo Dinge inszeniert und gezeigt werden, und pl\u00f6tzlich wird das Zeigen selbst und der Ausstellungsraum, in dem es stattfindet, ebenfalls zum Thema.<\/p>\n<p>Dass das in Morsbroich zum Tragen kommt, ist sicher auch das Verdienst der Ausstellungsarchitekten <a href=\"http:\/\/www.kuehnmalvezzi.com\/?context=project&#038;oid=Project:10027\">Kuehn Malvezzi<\/a>, die explizit als Kollaborateure genannt werden und ein sehr unaufdringliches, aber stichhaltiges Konzept eingebracht haben.<\/p>\n<p>Dieses zur\u00fcckhaltende Konzept entspricht der Art und Weise, wie H\u00f6fer ihre Fotografien anlegt: Von einem subjektiven Blickwinkel ist zun\u00e4chst nicht viel zu sehen, die Bilder wirken n\u00fcchtern und sauber abfotografiert wie f\u00fcr einen Katalog. F\u00fcr eine aktuelle Serie hat H\u00f6fer R\u00e4ume aufgenommen, in denen private Sammler Bilder von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/On_Kawara\">On Kawara<\/a> aufgeh\u00e4ngt haben. Man k\u00f6nnte sich diese Bilder mit dem gleichen neugierigen, voyeuristischen Interesse anschauen, mit denen man in Magazinen wie <em>Wallpaper<\/em> die Wohnungen anderer Leute durchbl\u00e4ttert. Aber gerade die Monotonie und Gleichf\u00f6rmigkeit von Kawaras Datumsbildern l\u00e4sst das Individuelle der R\u00e4ume, in denen sie sich befinden, um so deutlicher sichtbar werden. Es geht in den Bildern H\u00f6fers weniger darum, wie etwa bei den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernd_und_Hilla_Becher\">Bechers<\/a>, das fotografierte Objekt an sich hervortreten zu lassen, sondern &#8211; bei aller Genauigkeit und Pr\u00e4zision der Inszenierung &#8211; die Spuren der Menschen festzuhalten, die in den jeweiligen R\u00e4umen zu tun und zu leben haben. Gerade die Abwesenheit macht neugierig: Warum h\u00e4ngt hier das Kawara-Bild mittig und dort mitten unter anderen? Sind die B\u00fccher hier mit Absicht liegen gelassen, die Akten dort nicht rechtzeitig wegger\u00e4umt worden? Wurde nicht \u00fcberall noch mal schnell feucht durchgewischt und staubgesaugt, bevor die ber\u00fchmte Fotografin mit ankam?<\/p>\n<p>Die \u00e4lteren Bilder H\u00f6fers, die in Morsbroich gezeigt werden, scheinen auf den ersten Blick von der aktuellen Arbeitsweise weit entfernt zu sein. Das ist zum Beispiel die Serie <em>T\u00fcrken in Deutschland<\/em> aus den Siebzigern, eine fast klassische fotojournalistische Arbeit. Hier ist es gerade der Mangel an Perfektion, der die Bilder so sympathisch macht: Die sichtbare Unbeholfenheit der fotografierten Personen, die Unsicherheit der Fotografin, die noch mit Stilen, Perspektiven und Inszenierungen experimentiert. Aber schon in diesen Bildern scheint der Blick gelegentlich abzuschweifen von den vermeintlichen Hauptfiguren zu verr\u00e4terischen Nebens\u00e4chlichkeiten und Spuren im Hintergrund, zu Bildern, Dekorationen, Gegenst\u00e4nden, die pl\u00f6tzlich eine Distanz und dann auch wieder Neugier entstehen lassen.<\/p>\n<p>In der Dia-Serie <em>80 Pictures<\/em> werden scheinbar banale Alltagsschnappsch\u00fcsse gleich mehrfach in neue Kontexte einsortiert: Durch paarweise Zurodnung, durch Orts- und Jahresangaben, durch beil\u00e4ufige Betonung einzelner Bildelemente. Auf einmal werden mi\u00dfgl\u00fcckt wirkende Bilder verregneter Urlaubsorte zu vielschichtigen Meditationen \u00fcber S\u00e4ulen, B\u00f6gen, Linien, Fenster.<\/p>\n<p>Da merkt man dann auch, dass H\u00f6fers Arbeit von einem feinen Humor getragen wird. Die melancholischen Tiere, die in den brutalistischen Betonburgen der von H\u00f6fer fotografierten Zoos gefangen sitzen, oder die zw\u00f6lf Abg\u00fcsse von Rodins <em>B\u00fcrgern von Calais<\/em>, die neben Parkpl\u00e4tzen, in Stadtparks und in Museen ihren Heroismus behaupten wollen: Das sind Motive, deren Banalit\u00e4t und Allt\u00e4glichkeit genug Bizarres und Groteskes enthalten, um eine Abbildung zu verdienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehenswert: Die Candida-H\u00f6fer-Werkschau im Museum Morsbroich. Projects: Done ist der lakonische Titel &#8211; ein auf den ersten Blick etwas widerspr\u00fcchliches Motto, denn ein Projekt ist ja eigentlich etwas, das dem Namen nach unabgeschlossen und offen bleibt, w\u00e4hrend das W\u00f6rtchen &#8222;done&#8220; zu signalisieren scheint, hier sei etwas abgehakt und erledigt worden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-965","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/965","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=965"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/965\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":966,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/965\/revisions\/966"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/clausmoser.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}