Italienischer Feuerwehrmann müßte man sein. Dann stünden einem die Pforten dieses prachtvollen Anwesens wohl offen. 1938 erwarb das faschistische Innenministerium das Gebäude und übergab es dem Sozialwerk des nationalen Feuerwehr. Das richtete hier ein Waisenhaus ein, dessen Name auch noch an einem Nebengebäude zu lesen ist (auch wenn es, soweit ich weiß, nicht mehr existiert). Heute beherbergt das Gebäude ein Feuerwehrmuseum.
Villa Bellavista heißt das Anwesen. Von der schönen Aussicht, nach der es einmal benannt worden sein mag, ist allerdings nicht mehr viel zu sehen. Ringsherum haben sich Wohnsiedlungen und Gewerbegebiete, Treibhäuser und Baumschulen ausgebreitet, und direkt vor dem Gebäude führt eine viel befahrene Landstraße vorbei. Es gibt einige mehr oder weniger vergessene Villen im platten Niemandsland, das zwischen dem Appenin im Norden und den Chianti-Hügeln im Süden liegt. Um sie zu finden, muss man durch wenig attraktive Kleinstädte und eher langweilige Landschaften navigieren.
Als das hier noch nicht so zersiedelt war, hat Bellavista sicher einen prachtvollen Eindruck gemacht haben. Die Familie der Feroni war hier ansässig: Francesco Feroni war ein steinreicher Kaufmann aus Empoli, nur ein paar Kilometer südlich, und hatte in Amsterdam ein Vermögen verdient. Einiges davon wird auch den Medici zu Gute gekommen sein, Cosimo III. machte Francesco jedenfalls zum Markgrafen. Das standesgemäße Anwesen gab Feroni bei Antonio Maria Ferri in Auftrag, ein Star unter den Architekten von damals: So gut wie jeder Familie der Florentiner Oberschicht ließ sich von ihm einen Landsitz bauen. Und einige davon stehen hier in der Gegend: Die Trockenlegung der Sümpfe machte plötzlich Flächen kultivierbar und bebaubar, die vorher brachlagen.
Selbst im heutigen, etwas desolaten Zustand ist Ferris Gebäude noch beeindruckend. Es ist ein Musterbeispiel für den florentinischen Barock, der die schmückenden Exzesse der Zeit weitgehend zurückschraubt und stattdessen die Klarheit und Eleganz der Renaissance fortführen möchte.
Für die Feroni war die Pracht allerdings zuviel des Guten. Eine Goldgrube ließ sich mit den Ländereien nicht erschließen: Mißernten, Überschwemmungen und Unwetter machten die Bemühungen und Bonifikation immer wieder zunichte und zehrten das Familienvermögen auf. Erst verkaufte die Familie die Ländereien, 1829 schließlich auch die Villa. Das Gebäude geriet in Vergessenheit und gammelte vor sich hin, bis es, siehe oben, von Mussolinis Innenministerium übernommen wurde.
Warum bekam aber ausgerechnet die Feuerwehr so ein grandioses Gebäude überlassen? Die Vigili del Fuoco spielten eine wichtige Rolle in den zahlreichen (und gerne auch mit der Brechstange vorgetragenen) Modernisierungsbemühungen, denen Mussolini die italienische Gesellschaft unterzog. Eine Feuerwehrorganisation hatte es bis in die Dreißiger in Italien nicht wirklich gegeben: Das Feuerwehrwesen lag weitgehend in der Verantwortung der einzelnen Kommunen, und dementsprechend disparat sah es auch aus.
Mussolini machte die Feuerwehr zu einer nationalen Organisation, die direkt dem Innenministerium unterstand und deren innere Struktur quasi-militärisch, vergleichbar den Carabinieri durchgeplant wurde. Die Feuerwehr als eine Art Armee, die einen Krieg an anderer Front, gegen die Naturgewalten, zu kämpfen hatte, und mit einer eigenen Mythologie versehen wurde. Im wesentlichen hat sich daran bis heute nichts geändert, auch wenn sich die Aufgaben der Feuerwehr in andere Bereiche ausgeweitet haben und auch Bereiche des Zivilschutzes umfassen. (Dinge, die bei uns im Technischen Hilfswerk oder teilweise auch von der Bundeswehr übernommen werden.) Verschiedene Versuche, die zentralistische Struktur aufzuweichen und den Regionen mehr Mitspracherecht in Feuerwehrsangelegenheiten zu verleihen, sind nicht besonders erfolgreich gewesen.
Damit erklärt sich, warum eine Organisation wie die Feuerwehr in diesen Jahren in einem alten Adelssitz unterkommen konnte. Besser ließ sich die faschistische Umwidmung der Geschichte nicht illustrieren, als durch den Einzug einer populären Heldentruppe in das romantische Anwesen eines Vertreters der alten Ordnung.
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