{"id":279,"date":"2005-12-12T00:16:12","date_gmt":"2005-12-11T23:16:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=279"},"modified":"2005-12-12T00:23:15","modified_gmt":"2005-12-11T23:23:15","slug":"three-degrees-of-snoop-dogg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/clausmoser.de\/blog\/2005\/12\/12\/three-degrees-of-snoop-dogg\/","title":{"rendered":"Three Degrees of Snoop Dogg"},"content":{"rendered":"<p>Social Networking im Rap: Eine US-Studie hat die Beziehungsgeflechte von Rap-Musikern untersucht und interessante Unterschiede zu den Netzwerkstrukturen in anderen Gruppierungen festgestellt. Wichtigster Aspekt: Rapper haben zwar viele Kontakte. Aber sie meiden den Umgang mit Kollegen, die gleich gut verdrahtet sind.<!--more--><\/p>\n<p>Der MIT-Forscher Reginald Smith hat sich Texte und Credits in Hip-Hop-Archiven angeguckt und ausgerechnet: Im Schnitt sind Rap-Musiker nur jeweils 2,9 Kontakte voneinander entfernt, ein \u00e4hnlich niedriger Wert wie etwa bei Filmschauspielern (2,5) und niedriger als bei Top-Managern (3,6). Das ist kein Wunder: Rap ist wie Jazz eine kollaborationsfreudige Szene, kaum ein Rapper, der nicht gerne auf CDs und in Videos anderer Kollegen auftritt.<\/p>\n<p>Das hat aber Grenzen: Schwach ausgepr\u00e4gt ist bei Rappern die sogenannte &#8222;Assortativit\u00e4t&#8220;. Damit mi\u00dft man, wie gemischt die Beziehungen zwischen Netzwerkmitgliedern mit zahlreichen Kontakten und solchen mit wenigen Kontakten sind. In den meisten Netzwerken &#8211; zum Beispiel unter Wissenschaftlern oder Managern &#8211; tendieren gut &#8222;konnektierte&#8220; Mitglieder in der Regel dazu, Verbindungen vor allem zu denen zu suchen, die ihnen \u00e4hnlich sind.<\/p>\n<p>Nicht so bei Rappern: Je besser verdrahtet ein Rapper ist, desto mehr neigt er dazu, den Kollegen auf seinem Level aus dem Weg zu gehen. Das kann man zum einen mit dem Konkurrenzdenken und der Rivalit\u00e4t unter erfolgreichen Rappern erkl\u00e4ren. Zum anderen organisieren viele Rapper ihre Clans auch nach einem paternalistischen Muster: Wer es geschafft hat, f\u00f6rdert die Kumpels, die noch nicht so weit oben stehen, organisiert sein Netzwerk also eher vertikal als horizontal.<\/p>\n<p>Die Familie oder der Kiez ist das typische Modell, in dem Rapper ihr Netzwerk darstellen, und ich denke mal, dass sich Smiths Ergebnisse auch bei anderen gesellschaftlichen oder ethnischen Gruppierungen finden lassen, die \u00e4hnlich organisiert sind. In Italien gibt es den Satz, dass in Norditalien derjenige am meisten gilt, der am besten verdient, im S\u00fcden dagegen derjenige, der am meisten zu sagen hat. Die Rap-Szene liegt so zwischen diesen Polen: Es gibt die smarten Entrepreneure, aber auch die Gangland- und Mezzogiorno-Charaktere. Es ist interessant, dass in Smiths Liste der 50 Rapper mit den meisten Kontakten diejenigen vorne liegen, die eher so den &#8222;Gang&#8220;-Typus verk\u00f6rpern (Snoop Dogg, 2Pac), w\u00e4hrend die &#8222;Unternehmer&#8220;-Typen (Missy Elliot, Puff Daddy) mehr im Mittelfeld gelandet sind. (Wobei die Studie sicher nicht repr\u00e4sentativ ist.)<\/p>\n<p>Interessant wird es, wenn man von dieser Studie ein bi\u00dfchen weiterdenkt: Die meisten Web-2.0-Konzepte fu\u00dfen auf dem Modell eines Netzwerks mit hoher Assortativit\u00e4t. Da stellt sich die Frage, ob diese Konzepte auf Netzwerke, die anders strukturiert sind, ohne weiteres \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Oder was m\u00fc\u00dfte man modifizieren, damit Snoop und seine Homies bei del.icio.us taggen?<\/p>\n<p>Die Studie kann man <a href=\"http:\/\/xxx.arxiv.org\/pdf\/physics\/0511215\">hier<\/a> herunterladen (als PDF), eine Zusammenfassung gibt es in der Zeitschrift <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/news\/2005\/051205\/full\/051205-8.html\">Nature<\/a>. Via <a href=\"http:\/\/www.collisiondetection.net\/mt\/archives\/2005\/12\/rappers_social.html#001393\">Collision Detection<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Social Networking im Rap: Eine US-Studie hat die Beziehungsgeflechte von Rap-Musikern untersucht und interessante Unterschiede zu den Netzwerkstrukturen in anderen Gruppierungen festgestellt. Wichtigster Aspekt: Rapper haben zwar viele Kontakte. 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