{"id":946,"date":"2009-07-07T19:35:30","date_gmt":"2009-07-07T16:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clausmoser.com\/?p=946"},"modified":"2009-07-07T19:35:30","modified_gmt":"2009-07-07T16:35:30","slug":"tour-de-zumthor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/clausmoser.de\/blog\/2009\/07\/07\/tour-de-zumthor\/","title":{"rendered":"Tour de Zumthor"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3261\/3178375381_90cf437980.jpg\" alt=\"Wachendorf\" \/><\/p>\n<p>Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf ist ein architektonischer Pilgerort, trotz ihrer Abgelegenheit \u2013 oder vielleicht gerade deshalb: Das Nebeneinander von moderner Architektur und provinzieller Exotik lockt vor allem am Wochenende Dutzende von Spazierg\u00e4ngern hier her. Mitverantwortlich daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich auch ein Medien-Hype, der genau die richtigen Register gezogen hat, um das Geb\u00e4ude mit den Popul\u00e4rmythen zu umgeben, die es f\u00fcr so ein modernes Mekka braucht: Die r\u00fchrende Geschichte von den Bauersleuten, die sich einen frommen Lebenstraum verwirklichen wollten und h\u00f6flich bei dem Architekten anfragten, dessen Name sie in der Zeitung gelesen hatten &#8211; der Star-Architekt, der das Projekt annimmt, weil es sich um den Lieblingsheiligen seiner Mutter handelt und ansonsten nur die Unkosten erstattet haben will \u2013 das Eifeld\u00f6rfchen, das vom pl\u00f6tzlich losbrechenden Rummel \u00fcberrascht wurde und dann \u00fcber Parkpl\u00e4tze, Kiosk und sanit\u00e4re Einrichtungen debattierte \u2013 das sind die (hier und da variierten) Elemente, aus denen die Geschichte der Kapelle gestaltet wurde. Und wenn man den zahlreichen Besuchern zuh\u00f6rt, ist diese Geschichte, zumindest in groben Z\u00fcgen, den meisten pr\u00e4sent, die sich hier tummeln.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3180\/2405843811_596f538fb2_m.jpg\" alt=\"Bruder-Klaus-Kapelle, Wachendorf\" \/><\/p>\n<p>Bei allem Hype: Die Kapelle ist wirklich einen Besuch wert. Ich bin schon gut ein halbes Dutzend Mal hier gewesen, zu verschiedenen Jahreszeiten, bei unterschiedlichen Licht- und Wetterverh\u00e4ltnissen, und meistens mit dem Fahrrad, denn die Gegend eignet sich prima als Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr Touren in die Eifel. Und jedesmal bin ich angetan, wenn die Sandsteinfassade der Kapelle das erste Mal in den Blick kommt: Als helles Rechteck leuchtet sie aus dem leicht gewellten Hang, die Form ist regelm\u00e4\u00dfig wie die eines plangem\u00e4\u00df gezogenen Feldes. Oder eines landwirtschaftlichen Zweckbaus. Mich erinnert sie, trotz ihrer hellen Fassade, an den merkw\u00fcrdigen schwarzen Monolithen aus 2001: Fingerzeig einer h\u00f6heren, aber gleichzeitig auch abwesenden Intelligenz. Ein Eindruck, der sich in der Kapelle selbst im \u00fcbrigen noch verst\u00e4rkt: Ein schockierenderer Kontrast scheint kaum m\u00f6glich als der zwischen der Lieblichkeit der Umgebung und den d\u00fcsteren, verkohlten und kalten Innenw\u00e4nden. Wie ein Kamin ist der Raum nach oben ge\u00f6ffnet, wie eine D\u00fcse scheint er Gott eben erst davon gesaugt zu haben, und alles, was uns nun bleibt, ist, fr\u00f6stelnd \u00fcber sein Verschwinden nachzudenken.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/gpsies.com\/mapOnly.do?fileId=gxlvavcovinnvawr\" width=\"550\" height=\"300\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" title=\"GPSies - Tour de Zumthor\"><\/iframe><\/p>\n<p>Von dieser Wechselwirkung zwischen Landschaft und Kapelle bekommt man zwar auch schon etwas mit, wenn man mit dem Auto hier hin f\u00e4hrt: Man muss dann unten am Dorf parken (neben dem Fussballplatz) und den Hang zur Kapelle zu Fu\u00df hinaufspazieren. Aber es ist noch reizvoller, etwas mehr Zeit zu investieren und sich mit dem Rad auf den Weg nach Wachendorf zu machen. Das Umland ist voller seltsamer, architektonischer, arch\u00e4ologischer und allt\u00e4glicher Monumente. Und weil ich nett danach gefragt worden bin, gibt es nun hier eine kleine, unanstrengende Tour de Zumthor, eine Zumtour sozusagen, auf der man ein paar \u00fcberraschende Entdeckungen \u00fcber die Kapelle hinaus machen machen kann und, wer wei\u00df, noch ein paar weitere, \u00fcberraschende Blickwinkel auf das kleine Bauwerk und seine Landschaft gewinnt.<!--more--><\/p>\n<p>Vorweg ein paar technische Details: Diese Strecke ist bewusst einfach gehalten, ohne nennenswerte Steigungen (f\u00fcr untrainierte Fahrer mag allenfalls der Schlu\u00dfanstieg zur Kapelle etwas l\u00e4stig sein). Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Strecke sind geteerte Str\u00e4\u00dfchen, hier und da gibt es Schotterpiste. F\u00fcr Hin- und R\u00fcckfahrt sollte man jeweils etwa anderthalb Stunden kalkulieren. Eine <em>extended version<\/em>, mit mehr Kilometern, anspruchsvollerem Auf und Ab und einigen weiteren Sehensw\u00fcrdigkeiten, folgt vielleicht bei Gelegenheit mal. Weitere Streckendetails, GPS-Daten (und diverse andere Formate) gibt es <a href=\"http:\/\/gpsies.com\/map.do?fileId=gxlvavcovinnvawr\" title=\"Tour de Zumthor\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Und jetzt los: Startpunkt ist der Bahnhof in Euskirchen, der von K\u00f6ln und Bonn aus problemlos zu erreichen ist.<\/p>\n<p><em>Vom Bahnhof aus halten wir uns zun\u00e4chst links, die Alleestra\u00dfe hinunter, beim ersten Rondell links unter der Eisenbahnbr\u00fccke hindurch, dahinter gleich wieder links in die Roitzheimer Stra\u00dfe und sofort noch mal links in die Johannesbergstra\u00dfe. Auf Radwegen durch\u2019s Gewerbegebiet, bis nach etwa 1 km die Stra\u00dfe \u201eAm Ringofen\u201c erreicht wird. Hier links halten und bis zur Einm\u00fcndung kurz vor einer weiteren Eisenbahnbr\u00fccke. Rechts abbiegen in die Alfred-Nobel-Stra\u00dfe. Unter der Bundesstra\u00dfe 51 hindurch und kurz dahinter (etwa bei Km 2) links einbiegen (Fortsetzung der Alfred-Nobel-Stra\u00dfe). Das Str\u00e4\u00dfchen macht einen gro\u00dfz\u00fcgigen Bogen nach rechts und st\u00f6\u00dft auf ein Kreisverkehrsrondell.<\/em><\/p>\n<p>Zugegeben: Der Start der Tour durch\u2019s Euskirchener Industriegebiet mag wenig ansprechend sein. Aber auf ihre eigene Art sind die schlichten Zweckbauten durchaus ein Vorgriff auf die n\u00fcchterne Gestaltung von Zumthors Kapelle. Vor allem am Wochenende, wenn das Gewerbegebiet gespenstisch leer ist, rollt man wie durch einen schweigenden, nur noch hier und da zischenden, qualmenden oder brummenden Tempelbezirk. Menschen werden in dieser Zone nicht wirklich ben\u00f6tigt, und das Beste, was man tun kann, ist tats\u00e4chlich, sich so effizient und unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich hindurch zu bewegen. Zwischendrin ganz unvermittelt, vis \u00e0 vis der bedrohlich lauernden Zuckerfabrik, ein kleiner Steinmetzbetrieb, mit einem wahren Disneyland aus Putten, G\u00f6tterfig\u00fcrchen und M\u00e4rchengestalten. Vermutlich das Zubeh\u00f6r, auf das ein Gro\u00dfteil der Menschen verfallen w\u00fcrde, wenn es darum ginge, eine Kapelle einzurichten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2457\/3617996616_1c6544a7af.jpg\" alt=\"Euskirchen\" \/><\/p>\n<p><em>Wir fahren beim Kreisverkehr weiter geradeaus und folgen der Felix-Wankel-Stra\u00dfe. Die h\u00f6rt etwa bei Km 3,5 auf und geht \u00fcber in eine kleine landwirtschaftliche Stra\u00dfe. Weiter geradeaus, Kreuzungen ignorieren, bis das D\u00f6rfchen Rheder erreicht wird und die B51 kreuzt (ca. bei Km 6). Hier die Stra\u00dfenseite wechseln, auf dem Radweg rechts bis zu einem kleinen Teerstr\u00e4\u00dfchen, das links abzweigt. Wir folgen diesem Str\u00e4\u00dfchen (der \u201eHasenhecke\u201c), das leicht ansteigt und zu rechts am Rand des Dorfes verl\u00e4uft. Kurz hinter der Diamantstra\u00dfe (bei Km 7) eine Gabelung, bei der wir uns rechts halten. Kurz danach wird die Landstra\u00dfe nach Billig gekreuzt \u2013 wir radeln weiter geradeaaus, der Weg wird nun zu einer Schotterpiste.<\/em><\/p>\n<p>Eine unscheinbare Landschaft; erst beim genauen Hinsehen erkennt man Zeichen und Spuren, die darauf hinweisen, dass es hier einmal mehr gegeben hat als ein paar \u00c4cker und Wiesen. Einige Meter links von unserem Weg verl\u00e4uft parallell ein kleiner Graben (die Linie von B\u00fcschen ist ein deutlicher Hinweis), und dahinter, vor dem kleinen W\u00e4ldchen, ist am Verlauf der B\u00f6schung ein weiterer Graben auszumachen: Der &#8222;Teufelsgraben&#8220;, wie er auf einigen alten Landkarten noch hei\u00dft. Tats\u00e4chlich ist dieses Areal zwischen Rheder und Billig eine uralte Kult- und Siedlungsst\u00e4tte, deren Spuren bis in die Steinzeit zur\u00fcckreichen. Es ist m\u00f6glicherweise Teil eines umfangreichen keltischen Kalendersystems gewesen: <a href=\"http:\/\/www.vorzeitkalender.de\/hefte\/02vorzeitkalender\/vorzeitkalender.html\">Hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.vorzeitkalender.de\/standortanalysen.html\">hier<\/a> findet man einige Hinweise und Spekulationen dazu.. In r\u00f6mischer Zeit befand sich hier der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Belgica_vicus\">Belgica vicus<\/a>, eine Stra\u00dfensiedlung, <a href=http:\/\/www.nikolaus-reinartz.de\/kwg\/flurnamen.html>die sich in einer Ausdehnung von fast einem Kilometer \u00fcber den Stotzheim &#8211; Billiger Weg hinaus aufw\u00e4rts zur Antweiler Heide erstreckte\u201c<\/a>, direkt an der Gabelung der Fernstra\u00dfe von Trier nach K\u00f6ln und Bonn.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3626\/3617193217_d95164f159.jpg\" alt=\"Grabensystem Kreuzweingarten\" \/><\/p>\n<p><em>Wir fahren weiter auf der Schotterpiste, und etwa bei Km 9 kreuzt wieder ein geteertes Str\u00e4\u00dfchen. Hier links abbiegen. Das Str\u00e4\u00dfchen windet sich in einem gro\u00dfz\u00fcgigen Linksbogen um den Wald herum. Am gegen\u00fcberliegenden Hang kann man schon Wachendorf und Antweiler erkennen, und &#8211; mit einem guten Auge &#8211; auch die Bruder-Klaus-Kapelle. Dann geht es, nach einem scharfen Rechtsknick, rasant bergab.<\/em><\/p>\n<p>Im Rechtsknick befindet sich die Zufahrt zu <a href=\"http:\/\/www.haus-maria-rast.de\/\">Haus Maria Rast<\/a>, einem Tagungs- und Fortbildungszentrum der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sch%C3%B6nstatt-Bewegung\">Sch\u00f6nstatt-Bewegung<\/a>: Eine katholische Erneuerungsbewegung, in der das Laien-Engagement eine besondere Rolle spielt. Man k\u00f6nnte vermuten, dass es eine Verbindung zum Engagement der Stifter der Bruder-Klaus-Kapelle gibt, aber genau wei\u00df ich es nicht. Das Haupthaus ist ein ganz h\u00fcbscher, leicht klassizistischer Bau, dem man die Kriegszerst\u00f6rungen kaum mehr ansieht. Eigent\u00fcmer war einmal Freiherr Max von Mallinckrodt, ein Gutsbesitzer, der nebenher zum Dichten neigte und pathetische Verse auf Heimat, Krieg und Bauernstand produzierte: &#8222;Grau wie die Scholle, die sie gebar\/Todesmutige deutsche Schar&#8220; und \u00e4hnlichen Schmonzes des Grauens. (Eine Auswahl findet man <a href=\"http:\/\/www.woenge.de\/2009\/001indexmvm.html\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p><em>Unten in der Senke treffen wir wieder auf eine Teerstra\u00dfe. Diesmal biegen wir rechts ab. Die Stra\u00dfe macht kurz darauf eine Linkskurve, wenig sp\u00e4ter (kurz vor Km 11) folgt eine Wegekreuzug. Die Hauptstra\u00dfe biegt nach rechts ab, wir halten uns geradeaus. Etwa bei Km 11,5 erreichen wir die Landstra\u00dfe nach Antweiler. Die Landstra\u00dfe \u00fcberqueren &#8211; linker Hand liegt das sogenannte &#8222;Gut von Mallinckrodt&#8220; &#8211; und schr\u00e4g links in den Schlo\u00dfpark Wachendorf hinein. Durch den Schlo\u00dfpark hindurch.<\/em><\/p>\n<p>Schloss Wachendorf ist ein ungew\u00f6hnlicher Bau: Das Herrenhaus mit dem sechsst\u00f6ckigen Mittelturm wirkt fast \u00fcberdimensioniert, als m\u00fc\u00dften da links und rechts noch die Fl\u00fcgel einer weitl\u00e4ufigeren Anlage hinzugedacht werden. Auch Wachendorf war einmal im Besitz der von Mallinckrodts, und zwar von Max&#8216; Bruder Paul (genaueres zur Bau- und Eigent\u00fcmergeschichte kann man <a href=\"http:\/\/www.wachendorf-antweiler.de\/html\/schloss\/baugeschichte.htm\">hier nachlesen<\/a>). Heute geh\u00f6rt das Haus Familie M\u00fcller von Blumencron. Ach, m\u00f6gen Sie jetzt vielleicht sagen, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mathias_M%C3%BCller_von_Blumencron\">der<\/a> M\u00fcller von Blumencron? Nein, der nicht, und ich kann auch nicht sagen, welche verwandschaftlichen Linien da bestehen m\u00f6gen. Aber wir sind ja auf dem Weg zu einer spirituellen Destination, und da lassen Sie mich doch eben noch den Hinweis unterbringen, dass auch dieses Schloss seine religi\u00f6sen Dimensionen hat. Nach dem Krieg waren beispielsweise die <a href=\"www.manete-in-me.org\/index.php?p=startpage\">Schwestern vom armen Kinde Jesus<\/a> hier ans\u00e4ssig, eine sozial engagierte Kongregation, die hier ein Waisenhaus unterhielt. Gr\u00fcnderin des Ordens war <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clara_Fey\">Clara Fey<\/a> (1815-1894), Tochter eines Aachener Textilfabrikanten und befreundet mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pauline_von_Mallinckrodt\">Pauline von Mallinckrodt<\/a>, einer weiteren Angeh\u00f6rigen dieses weitl\u00e4ufigen Familienclans und selbst Gr\u00fcnderin einer Kongregation, n\u00e4mlich der <a href=\"http:\/\/www.sccp.de\/\">Schwestern der Christlichen Liebe<\/a>.<\/p>\n<p>Beide waren Sch\u00fclerinnen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luise_Hensel\">Luise Hensel<\/a>, Schw\u00e4gerin von Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy und Objekt (vergeblicher) Sehnsucht von u.a. Clemens Brentano und Wilhelm M\u00fcller (der ihr sowohl die <em>Sch\u00f6ne M\u00fcllerin<\/em> als auch die <em>Winterreise<\/em> nachgeschrieben haben soll). Man k\u00f6nnte von hier aus wunderbar abschweifen in die Welt der Romantik, oder in bizarre Ver\u00e4stelungen katholischer Mystik: So war Hensel ihrerseits befreundet mit Anna Katharina Emmerick, deren Visionen Brentano im Buch <a href=\"http:\/\/www.jesus-passion.com\/Das_bittere_Leiden_unseres_Herrn_Jesu_Christi.pdf\">Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi<\/a> gestaltet hat, was wiederum ein gewisser Mel Gibson als literarische Vorlage f\u00fcr seine ganz eigene <em>Passion Christi<\/em> nutzte &#8230; aber bevor wir von Wachendorf aus um die ganze Welt kommen, kehren wir lieber zum Schloss zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das ist \u00fcbrigens auch heute noch Ort spiritueller Einkehr, wenn auch in einem Kontext, der Hensel, Fey oder Mallinckrodt eher \u00fcberraschen d\u00fcrfte: In den Achtzigern und Neunzigern war hier das <a href=\"http:\/\/www.kamalashila.de\/\">&#8222;Kamalashila Institut\u00ae&#8220;<\/a> ans\u00e4ssig, ein Zentrum f\u00fcr tibetanischen Buddhismus, das das Markensymbol so beharrlich im Namen f\u00fchrt, dass man es wohl als Teil des Karmas ansehen muss. Die Kamalashilas sind zur Jahrtausendwende ausgezogen, im Turm h\u00e4lt aber noch ein buddhistischer Orden mit dem poetischen Namen <a href=\"http:\/\/kakunen-zen.de\/\">Offene Weite<\/a> meditative Stellung.<\/p>\n<p><em>Am Schlo\u00dfparkplatz rechts auf die Petrusstra\u00dfe hinauf und vor bis zur Kreuzung der Iversheimer Stra\u00dfe. Hier rechts abbiegen. Nur wenige Meter sp\u00e4ter zweigt links der Ri\u00dfdorfer Weg ab. Hier geht es etwas steiler bergauf, die Stra\u00dfe schl\u00e4ngelt sich hangaufw\u00e4rts, durch eine Hofanlage hindurch und kreuzt den Fu\u00dfweg f\u00fcr die Bruder-Klaus-Touristen. Von hier auf geht es auf Sicht den Hang hinauf bis zur Kapelle.<\/em><\/p>\n<p>Bei meinem letzten Besuch war auf halber Hangh\u00f6he das Ger\u00fcst einer gro\u00dfen Halle zu sehen. Ich vermute, es handelt sich dabei nicht um eine Einrichtung f\u00fcr die Touristen, die die Kapelle sehen wollen, sondern geh\u00f6rt eher zu dem Reiterhof, den man kurz vorher passieren musste. Sicher ist leider soviel, dass dieses Bauwerk den Blick von der Kapelle ins Tal doch deutlich beeintr\u00e4chtigen wird: So ganz splendid ist die Isolation und Abgelegenheit dann wenigstens optisch nicht mehr.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3554\/3618019322_efdded0b7f.jpg\" alt=\"Wachendorf\" \/><\/p>\n<p>Nikolaus von Fl\u00fce, der Bruder Klaus, ist ein &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; seltsamer Heiliger. Ein verheirateter, kinderreicher Gutsbesitzer, der sich sp\u00e4t zum Eremitentum entschlie\u00dft &#8211; erst mu\u00dfte mindestens ein Sohn erwachsen werden, um die Gro\u00dffamilie versorgen zu k\u00f6nnen. Ein Mystiker, in dessen Gedanken sich christliche und volkst\u00fcmliche Elemente, Furcht und Faszinosum auf eigenartige Weise mischen (und der nebenher noch Zeit f\u00fcr pragmatisches Polit-Consulting fand). Auch das Symbol des Bruder-Klaus-Kultes ist r\u00e4tselhaft: Ein <a href=\"http:\/\/bruderklaus.ch\/?id=585&#038;pid=27\">sechsspeichiges Rad<\/a>, das auch in der Kapelle zu sehen ist. Was dieses Rad bedeutet, ob es das Emblem eines erschreckenden, von Schwertern durchbohrten Gottes ist oder nur Zeichen f\u00fcr eine nach innen und au\u00dfen gerichtete Fr\u00f6mmigkeit, das ist umstritten. Aber dass der orthodoxe Mainstream mit den Nebenwegen und abgelegenen Pfaden, die dieser b\u00e4uerliche Eremit auskundschaftete, so seine Schwierigkeiten hatte, kann man leicht nachvollziehen. Ein volkst\u00fcmlicher Heiliger, dessen Verehrung die offizielle Kirche eher anerkennen musste als selbst steuern konnte. Es ist ganz kurios, dass dieses Motiv b\u00e4uerlicher Dicksch\u00e4deligkeit auch in den kleinen Mythologisierungen, die sich bereits um die Kapelle entwickelt haben, auftaucht (gab&#8217;s eine richtige Baugenehmigung oder doch nicht?).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2424\/3618027428_b34b6cd9e7.jpg\" alt=\"Bruder-Klaus-Kapelle\" \/><\/p>\n<p><em>F\u00fcr den R\u00fcckweg gibt es mehrere M\u00f6glichkeiten, der Einfachheit halber habe ich mich hier f\u00fcr (nahezu) die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg entschieden, bis auf eine Variante: Statt bei Km 17,5 wieder den steilen Hang nach Maria Rast hinauf zu fahren, h\u00e4lt man sich am Abzweig mit dem entsprechenden Hinweisschild geradeaus im Tal. Kurz darauf wird das Anwesen \u201eHaus Broich\u201c passiert.<\/em><\/p>\n<p>Haus Broich ist \u00fcbrigens auch ehemaliger Besitz der Mallinckrodts: Am Eingangstor ist das Familienwappen zu sehen, &#8222;drei stilisierte sch\u00e4cherkreuzf\u00f6rmig angeordnete Stechpalmenbl\u00e4tter mit einer Beere&#8220;, wie es <a href=\"http:\/\/www.woenge.de\/woeng\/artikel\/krk\/broich\/broich-naske.html\">hier<\/a> hei\u00dft. Hinter dem Haus liegt das Kalkarer Moor, \u00dcberbleibsel eines fr\u00fcher mal sehr viel ausgedehnteren Feuchtgebietes und ebenfalls ein mythischer Ort, denn S\u00fcmpfe und Moore galten als Schleusen zur jenseitigen Welt. (Mehr dazu auf <a href=\"http:\/\/www.wingarden.de\/wing\/hk2004\/gefaehrtinnen.html\">dieser Seite<\/a>, wo au\u00dferdem der Versuch gemacht wird, die Namen Wachendorf und Kalkar mit alten matriarchalischen Kulten in Verbindung zu bringen.)<\/p>\n<p><em>Etwa bei Km 18,5 erreichen wir Kreuzweingarten, kurz darauf, bei der Gastst\u00e4tte <a href=\"http:\/\/www.zum-alten-brauhaus.com\">Zum alten Brauhaus<\/a>, die Kreuzung mit der B51. Schr\u00e4g links gegen\u00fcber ist die Einfahrt zur Hubertusstra\u00dfe: Dort biegen wir ein und folgen der Radweg-Beschilderung in Richtung Euskirchen. Die Hubertusstra\u00dfe macht nach einigen Metern einen scharfen Knick nach rechts: Wir halten uns aber geradeaus.<\/em><\/p>\n<p>Auch Kreuzweingarten ist bei aller Beschaulichkeit ein mysteri\u00f6ser Ort. Da ist schon der Name, der vom Versuch spricht, r\u00f6mische Kultur und Landwirtschaft nach Germanien zu importieren. Da ist das weithin sichtbare Kreuz, das den Ort \u00fcberragt, als sollten die Geister, Kultst\u00e4tten und Kalender der hier vertretenen heidnischen Religionen in ihre Schranken gewiesen werden. Dabei liegt gerade im R\u00fccken des Kreuzes ein weiterer, mysteri\u00f6ser Ort: W\u00fcrde man der Hubertusstra\u00dfe weiter folgen, k\u00e4me man auf der anderen Seite des Bahndammes in ein ausgedehntes Waldgebiet. Darin gibt es die Reste eines alten, vermutlich keltischen <a href=\"http:\/\/www.pointoo.de\/poi\/Euskirchen\/Ringwall-288065.html\">Ringwalls<\/a> &#8211; war hier eine Fluchtburg oder eine Kultst\u00e4tte? Ein Teil des Areals h\u00f6rt auf den Namen &#8222;Judenkirchhof&#8220; &#8211; wurden hier Juden beerdigt, weil der Platz ohnehin als heidnische St\u00e4tte galt? Noch tiefer im Wald findet man die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hardtburg\">Hardtburg<\/a>, die beeindruckende Ruine einer mittelalterlichen Wasserburg. Ganz in der N\u00e4he gab es mit dem Clemensberg eine Eremitage, in der ein Bruder Klaus des 18. Jahrhunderts ein <a href=\"http:\/\/www.woenge.de\/woeng\/artikel\/1100jahre\/regh-eremitage\/eremitage.html\">nicht immer gut gelittenes Dasein fristete<\/a>.<\/p>\n<p>Wer noch Zeit und Mu\u00dfe hat, kann auch in dem W\u00e4ldchen auf der linken Seite der Bundesstra\u00dfe nach den <a href=\"http:\/\/www.pointoo.de\/poi\/Euskirchen-Kreuzweingarten\/Eifelwasserleitung-276521.html\">Mauern eines r\u00f6mischen Geb\u00e4udes<\/a> suchen und dar\u00fcber spekulieren, ob es sich dabei um das Wohnhaus eines Kanalw\u00e4chters oder ein Minerva-Tempelchen handelt.<\/p>\n<p><em>Ansonsten hei\u00dft es: Weiter auf dem Weg nach Euskirchen. Etwa nach 20,5 km sind wir wieder in Rheder, auf der Dechant-Wolfgarten-Stra\u00dfe. Wir biegen gleich rechts in den Kieselweg ab, dann nach einigen Metern links in die Quarzstra\u00dfe. An der B51 kurz nach rechts und sofort rechts abbiegen in die Achatstra\u00dfe: Und damit sind wir wieder auf unserem Hinweg angekommen, dem wir nun einfach zur\u00fcck folgen. Nach ca. 6 km sind wir wieder am Bahnhof Euskirchen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf ist ein architektonischer Pilgerort, trotz ihrer Abgelegenheit \u2013 oder vielleicht gerade deshalb: Das Nebeneinander von moderner Architektur und provinzieller Exotik lockt vor allem am Wochenende Dutzende von Spazierg\u00e4ngern hier her. 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