Autobahnabfahrt mit Schlafgelegenheit


Tout Cologne in heller Aufregung: Harald Schmidt hat der FAZ ein Interview gegeben und darin ein paar flapsige Bemerkungen gemacht – „überall Schlaglöcher“, „es versifft immer mehr“, zu allem Überfluß „nur zwei Restaurants, wo man gut essen kann“ und „da sitzen all diejenigen, die man gerade nicht sehen will, meist Konkursmasse aus der Führungsetage von abgewickelten Sendern“ (eher selten dagegen ehemalige Mitarbeiter aus ehemals fürs Unterschichtfernsehen arbeitenden Produktionsfirmen, aber Spaß beiseite) – was man halt so sagt, wenn man weiß, da ist ein Herr Voosen von der FAZ am Telefon und wirft einem ein paar Stichworte zu.

Das Ganze könnte man jetzt auf sich beruhen lassen, zumal Schmidt jetzt auch nicht so viel Originelles zu sagen hat, wenn auch seine Charakterisierung des typischen Kölner Medienschaffenden („eine Umhängetasche und eine Trainingsjacke“) weitgehend richtig ist: „Nach den phantastischen Homepages der Firmen hat es den Anschein, als produzierten sie bald den zweiten Teil von Titanic.“ Und wenns darum geht, wie man mit einer Kreuzfahrt absäuft, da kennt sich kaum einer so gut aus wie Schmidt.

In Köln sitzt man jedoch nicht nur einfach auf dem Sofa und nimmt übel, wozu gibt’s hier den „Express“, und der lebt schließlich davon, solche Mücken aufzublasen. Und um Schmidts Behauptung, hier sei kulturell ja nichts los, aber mal so richtig zu widerlegen, läßt der „Express“ alles aufmarschieren, was Rang und Namen hat: Erry „Fööss“ Stocklosa, Henning „Hohn“ Krautmacher, Fritz „OB“ Schramma, Richard „Kleinkunst“ Rogler und, natürlich, unser Adabei Helmut „Ex-RTL-Chef“ Thoma, der auch immer alles geduldig beantwortet, was er so den lieben langen Tag gefragt wird.

Das ist natürlich eine Phalanx, die auch einen Late-Night-Bildungsbürger und „Zyniker“ (Express) wie Schmidt überzeugen wird. Und erst die Argumente: „In Köln kriege ich die besten Ideen, die Mentalität hier macht es leicht, Menschen anzusprechen – all das gibt eine Melange, die Köln lebenswert macht“, meint zum Beispiel André Zalbertus von der Produktionsfirma AZ Media (also wohl auch einer von den Titanic-Fortsetzern). Und während man noch überlegt, wie die Melange aus Zalbertus‘ besten Ideen und der ansprechbaren Mentalität der Kölner wohl aussieht, legt Thoma einen drauf: „Er hat wohl in Köln einen Strafzettel bekommen und ist deshalb sauer.“ Krautmacher dagegen ist eher sauer, „dass er die Höhner nicht explizit erwähnt hat – schließlich haben wir ihm als Runninggag schon mal 14 Tage lang die Sendung mit Leben gefüllt“, und das ist wirklich keine einfache Sache, etwas am Leben zu halten, wenn man grade hingerichtet wird.

Wenn Karl-Heinz Merfeld von „KölnTourismus“ Schmidt dennoch als „Super-Kölnbotschafter“ lobt – das Wort, sie sollen es lassen stahn -, dann spürt man aber wirklich, wie der Atem der Hochkultur diese Stadt streift, oder, wie Merfeld sagt, dass „wir 1. Liga sind, nicht nur was Fußball, sondern auch was Kultur und Gastronomie angeht“.

Prost. Nach dem bißchen Stürmchen im Kölnisch Wasserglas will auch der Express dann lieber ein bißchen Öl draufgießen: „Leeve und leeve losse“ – nur kann man damit eben keine Zeitungen verkaufen.

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