Steadman in Apulien

Steadmans Apulien

Ich wiederhole mich ja ungern, aber auf das immer lesenswerte Giornale Nuovo kann ich nicht oft genug hinweisen. Zumal Mr. H diesmal gleich mehrere Themen berührt, die mir am Herzen liegen: Apulien, Rotwein und Ralph Steadman.

Steadman ist ohne Frage einer der besten lebenden Karikaturisten: Sein Stil – so ein bißchen krakelig, aber üppig und voller Leben – erinnert mich immer ein bißchen an den nicht minder großen F.W. Bernstein. Im angelsächsichen Raum wird er auch gerne mit dem Monty Python-Grafiker Terry Gilliam verglichen, mit dem er zwar befreundet ist, aber – finde ich – nicht viel gemeinsam hat außer einer gewissen Vorliebe dafür, das Skurrile im Banalen zu entdecken.

Außerdem ist Steadman aber ein großer Wein-Liebhaber und hat Illustrationen für Fachmagazine gezeichnet und Etiketten entworfen. Einige dieser Illustrationen sind im wunderschönen Buch The Grapes of Ralph gesammelt, ein neues Wein-Bilder-Buch – Untrodden Grapes – ist grade erschienen. Ich spar mir mal eine eigene Würdigung, beim Giornale Nuovo steht schon alles, was man wissen muß, und dazu gibt es ein paar schöne Steadmansche Bilder aus Apulien und Sizilien zu sehen.

Vor allem die apulischen Bilder haben es mir angetan: Ich war zwar noch nicht in dem Dorf Avetrana, das Steadman gezeichnet hat, diese Ecke liegt etwas abseits der Routen, die ich normalerweise nehme. Aber die Dorfplätze, die ich kenne, vor allem weiter südlich im Salento, die sehen ähnlich genug aus. Den Radfahrer zum Beispiel habe ich, da bin ich mir sicher, letztes Jahr in Maglie beobachtet, das liegt knapp hinter Lecce, und von Lecce wiederum ist es auch gar nicht so weit nach Avetrana.

Was den Wein angeht, kann man es im übrigen tatsächlich kaum besser treffen, in Süditalien zumindest: Avetrana liegt zwischen Manduria und Salice Salentino, und wenn es noch Weine in Italien zu entdecken gibt, dann definitiv die aus dieser Region.

Allerdings haben sie in der Gegend im Moment ein paar andere Sorgen als die nächste vendemmia: Nur ein paar Kilometer südlich von Avetrana liegt Torre Colimena, das Örtchen, wo man einen an Vogelgrippe erkrankten Schwan gefunden hat, den ersten in Apulien. Die Situation ist zwar nicht bedrohlich, aber das ändert natürlich nichts an der Nervosität und Unruhe bei den Menschen dort: Italiener sind sowieso mit Leidenschaft hypochondrisch, wenn irgendein Zipperlein zwickt, und bei so einer Geschichte sind die Wartezimmer sofort voll.

LocorotondoGespannt bin ich nur darauf, wie die Geschichte in Deutschland aufgenommen wird. Ich hoffe nicht, dass das den Appetit auf Apulien verdirbt . Falls jemand noch überzeugt werden muß: Lieber noch mal bei Steadman vorbeischauen. Da gibt es etwas versteckt ein Tagebuch seiner Frau Anna, die fast ebenso schön zeichnet wie er und ein paar Notizen und Bilder über einen Italien-Aufenthalt hinterlegt hat. Da geht es zwar nicht nur um Apulien, aber ein paar der Städtchen, die da erwähnt werden, laufe ich auch an: Die barocken Schmuckkästchen Martina Franca und Locorotondo zum Beispiel, wo man übrigens auch ausgezeichneten Wein bekommt.

Noch ein Wort zu Steadman: Mit Hunter S. Thompson hat er auch des öfteren zusammengearbeitet. Eine grandiose Kollaboration ist vor kurzem wieder erschienen, The Curse of Lono, eines der faszinierendsten Dokumente von Thompsons Gonzo-Journalismus, von Steadman kongenial illustriert.