Kö-Blick

Düsseldorf, Haus Kö-Blick

Ein nächtlicher Abriss ist immer spektakulär: Kein Verkehrslärm hindert die Geräuschkulisse dabei, sich zu entfalten, lautstark krachen Gebäudetrümmer nach unten und donnern von den umliegenden Hausfassaden als Echo zurück. Ein riesiger Kran röhrt, heult und pult in der Ruine wie ein leicht genervtes Monster; die Straßenbeleuchtung malt kleine Pünktchen in die Staub- und Gischtfontänen.

Ausgeweidet und abgerissen wird hier das Haus „Kö-Blick“ am Düsseldorfer Graf-Adolf-Platz. Es ist, sagt man uns, ein Abriss, der lange überfällig war, was vielleicht erklärt, warum man hier mitten in der Nacht noch zugange ist: Es muss wohl schnell gehen.

Nur wenige Schaulustige stehen auf der Straße und schauen zu. Die Graf-Adolf-Straße ist eine der wichtigen Verkehrsadern, die durch die Innenstadt laufen, und Verkehrsader bedeutet ja meistens: Links und rechts davon gibt es kein wirkliches Leben, nur Leute, die schnell irgendwohin müssen, und nachts sind die auch nicht mehr da. Man kann noch den Rest einer Fassade erkennen, die durchaus ansprechend gegliedert war und einen eleganten Fünfziger-Jahre-Schwung besaß. (Ein Eindruck, der sich bei einer kleinen Recherche im Internet bestätigen läßt.) Das Gebäudeinnere – wenigstens das, was man davon noch sehen kann – wirkt weniger elegant, ein bißchen muffig und düster könnten die Büros gewesen sein.

Düsseldorf, Haus Kö-Blick

Das Kö-Blick war sicher kein herausragendes, eher ein generisches Beispiel für die Architektur, die man in den Fünfzigern, Sechzigern als modern und repräsentativ empfand. Die Rheinische Post weiß ein bisschen mehr:

Das Haus mit der „runden Ecke“ wurde in den 50er Jahren gebaut. Es war damals in Düsseldorf eine Attraktion. Ganz oben gab es ein Cafe-Restaurant für gehobene Ansprüche, das damals auch viel von Messegästen besucht wurde. Alle waren begeistert von dem herrlichen Blick, den man von hier aus auf die gesamte Kö und die Achse des Stadtgrabens hatte.

Kö-Blick

Ein Blick, der einem tatsächlich nicht viel anderes zu sehen gab als eben das städtische Getriebe, aber damals reichte das als Faszinosum noch aus. Der Name „Kö-Blick“ signalisiert ja auch insgeheim: Hier ist man Beobachter, aber nicht unbedingt Teilnehmer. Das passt zu der Lage des Hauses, denn vom wesentlichen Teil der Königsallee ist man durch die mehrspurige Strasse abgetrennt; der „Kö-Blick“ schweift eher aus dem Off über die Szenerie.

Daran wird der Neubau nicht viel ändern, fürchte ich. Der soll auch wieder Kö-Blick heißen, was vielleicht als Reminiszenz, gemeint ist ebenso wie der Grundcharakter des geplanten Gebäudes (abgerundete Ecke, zurückgestuftes Obergeschoss). Ansonsten ist das eine dieser generischen Glasfassaden, stromlinienförmig und ein bisschen fantasielos – nichts jedenfalls, was diesem Platz eine besondere Kontur verleihen könnte. Da ist es dann doch ein bisschen schade um das alte Haus, das hier abgerissen wird.